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Ueber Riesenkessel in Schlesien.

Gruner, Hans

Kurzfassung

Indem ich davon ausgehe, dass es von Interesse sein dürfte, Nachrichten über weitere Punkte zu empfangen, welche die Annahme einer allgemeinen, von Finnland, Schweden und Norwegen ausgehenden Vergletscherung Norddeutschlands bestätigen, erlaube ich mir mitzutheilen, dass die eigenthümlichen Vertiefungen, welche Herr Nötling im 31. Bd. pag. 339 dieser Zeitschrift aus dem Rüdersdorfer Schaumkalk beschrieb, auch dem oberschlesischen Muschelkalke, wie der turonen Kreide bei Oppeln keineswegs fremd sind. Auch hier stellen sie sich als trichter-, kessel- oder schlotartige Gebilde dar und sind mit Sand. rothem Lehm und mehr oder minder zahlreich mit abgerundeten, kantigen, geschliffenen und gekritzten einheimischen und fremden Geschieben erfüllt. Die ausgedehnten trefflichen Aufschlüsse bei Gogolin, Gorasdze, Schwieben, Kottlischowitz, Radun, Gr. Strehlitz, Dombrowka bei Tost, Krappitz und Groschowitz zeigten mir stets an den Wänden vorzügliche Profile oben erwähnter Gebilde. Ihre Entstehung den längs Sprüngen und Klüften einsickernden Tageswässern zuzuschreiben, sie für ,geologische Orgeln" zu halten, trug ich bisher kein Bedenken. Cuvier, A. Brongniart, Forchhammer, Johnstrup u. A. haben ja, über ähnliche Einsenkungen berichtend, in befriedigender Weise dargethan, dass sie durch die chemische Thätigkeit des Wassers hervorgerufen sein können. Beträchtliche Abdeckungen, welche in neuester Zeit in Folge der ausserordentlichen Kalk-Nachfragen in Gorasdze vorgenommen wurden, munterten mich dazu auf, jene Gebilde näher zu untersuchen und, da hier Ausgrabungen von den oben erwähnten Anschauungen abweichende Gesichtspunkte eröffneten, in gleicher Hinsicht auch alle zwischen Proskau und Kottlischowitz bei Tost vorhandenen Aufschlüsse im Muschelkalk sowie alle diejenigen in der Kreide bei Oppeln und im tertiären, ,glasigen", kieseligen Sandstein bei Lauban und Bunzlau in's Auge zu fassen. Gestützt auf meine Beobachtungen an mehr als vierzig ausgedehnten Gruben-Aufschlüssen bin ich zu der Annahme gelangt, dass hier neben ,geologischen Orgeln" viele echte ,Riesenkessel" vorhanden sind.