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Ueber durch Druck hervorgerufene optische Anomalien.

Bücking, Hugo

Kurzfassung

Die Thatsache, dass Gläser durch Druck doppeltbrechend werden und unter gewissen Bedingungen diese Eigenschaft dauernd behalten, ist schon seit langer Zeit bekannt. Weniger untersucht sind dagegen die Erscheinungen, welche auftreten, wenn doppeltbrechende Substanzen, einaxige sowohl als zweiaxige, einem Druck oder einer Spannung ausgesetzt werden. Da nun anzunehmen ist, dass in gleicher Weise, wie sich amorphe Substanzen im Mineralreiche finden, deren Doppelbrechung nicht wohl anders erklärt werden kann, als durch Druck und Spannung, auch doppeltbrechende Körper vorkommen, welche in ihrem optischen Verhalten in Folge eines Druckes oder einer Spannung, der sie ausgesetzt waren oder noch sind, gewisse Anomalien zeigen, so dürfte es für die nähere Erklärung dieser Erscheinungen von Wichtigkeit sein, zu untersuchen, in welcher Weise die optischen Verhältnisse der Krystalle unter dem Einfluss eines messbaren äusseren Druckes modificirt werden. Zu diesem Zwecke habe ich von Herrn Mechaniker Fuess in Berlin einen höchst einfachen, an das Polarisationsinstrument leicht anzubringenden Apparat construiren lassen, der es ermöglicht, Krystallplatten zunächst einem in einer Richtung senkrecht zur Axe des Polarisationsapparates wirkenden Druck, den man ganz allmählich bis zu 50 Kilogramm, nach Belieben auch darüber, steigern kann, auszusetzen und dabei gleichzeitig die Interferenzerscheinungen, welche die Platten zwischen gekreuzten Nicols im Polarisationsinstrumente zeigen, zu beobachten. Leider fehlte es mir zur Anstellung einer grösseren Reihe von Versuchen vor meiner Abreise von Berlin sowohl an der nöthigen Zahl brauchbarer Krystallplatten, als auch besonders an Zeit; es können daher die wenigen Versuche, die ich mit dem Apparate angestellt habe, nicht den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit machen; immerhin aber haben sie schon jetzt zu einem ganz überraschenden Resultate geführt, das ich Ihnen im Folgenden kurz mittheilen will.