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Mikroskopische Thierreste aus dem deutschen Kohlenkalke (Foraminiferen und Spongien).

Steinmann, Gustav

Kurzfassung

Die neueren Arbeiten von Brady und v. Möller haben uns eine überraschende Menge interessanter Foraminiferen aus den jüngeren paläozoischen Gebilden kennen gelehrt. Da jedoch solche Beste aus deutschen Bildungen nur sehr spärlich bekannt geworden sind und vorzugsweise aus der Dyas, so ist es vielleicht nicht ohne Interesse, darauf hinzuweisen, dass auch die verhältnissmässig unbedeutenderen Ablagerungen von Kohlenkalk, welche am Rhein (Ratingen), in Schlesien und im Fichtelgebirge auftreten, eine ganz analoge mikroskopische Fauna enthalten, wie die russischen, belgischen und grossbritannischen Ablagerungen. Gümbel hat neuerdings über einige Foraminiferen, welche im Kohlenkalke des Fichtelgebirges sich finden, berichtet. Leider war ein Theil derselben nur in Dünnschliffen nachweisbar und ihre specifische Bestimmung deshalb nicht möglich. Derselbe führt an: Trochammina incerta D'Orb. sp., Valvulina palaeotrochus Ehr., bulloides Brady, Endothyra Bowmanni Phill., ornata Brady (=? Fusulinella Struvii v. Möll.), ammonoides Brady, Nodosinella digitata Brady, cylindrica Brady. Ein Stück schwarzen Mergelschiefers mit der Etiquette Altwasser, welches sich in dem geologischen Museum zu Strassburg befindet, beherbergt ausser einem Productus und mehreren kleinen Gastropoden eine Anzahl wohl erhaltener Foraminiferenschalen, die durch Schlämmen freigelegt werden konnten. Herr F. Roemer in Breslau hatte die Güte, mir das betreffende Stück als ,echten Kohlenkalk" und den Productus als einen jungen P. giganteus zu bestimmen. Ueber das Alter kann somit kein Zweifel mehr obwalten. Die Zahl der gefundenen Arten ist freilich gering, nur 5; doch treten zwei derselben, nämlich Fusulinella Struvii v. Möll. und Cornuspira carbonaria n. sp. in beträchtlicher Individuenanzahl auf. Proben eines schwarzen, sehr schwefelkiesreichen Mergels, welchen ich vor drei Jahren an der bekannten Localität Ratingen bei Düsseldorf sammelte, ergaben beim Schlämmen leider keine Foraminiferenschalen, dagegen fanden sich Spongiennadeln, wie sie schon aus dem britischen Kohlenkalke bekannt geworden sind und von Young als Acanthospongia Smithi, von Carter als Hyalonema bezeichnet wurden. Zittel hat für dieselbe den Namen Hyalostelia in Vorschlag gebracht. Die letztgenannten Reste will ich zunächst beschreiben.