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Über eine Wasserquelle in der flur Zawada (Oberschlesien)

Kosmann, Bernhard

Kurzfassung

In der Flur Zawada bei Preiskretscham, Kreis Gleiwitz in Oberschlesien, sind drei Schurfbohrlöcher zur Erbohrung von Steinkohlen gestossen worden; die Bohrlöcher haben einen Umfangsdurchmesser von 30 Cm. Bei 260 M. Tiefe haben dieselben die auf der Grenze des Muschelkalksteins und des Buntsandsteins vorhandenen Wasser angebohrt. Als vor 2 Jahren diese Wasserklüfte mit dem ersten Loche aufgebohrt wurden, standen diese Wasser unter solcher Spannung, dass das Wasser 4 M. hoch über die Sohle des Kalksteinbruchs, in welchem die Bohrlöcher angesetzt sind, emporsprangen, grosse Felsstücke mit sich emporreissend und mit solchem Getöse hervordringend, dass die bohrenden Bergleute erschreckt davonliefen. Noch heute dringen die Wasser spontan 1 M. hoch über den Boden hervor nach Art artesischer Brunnen, und beträgt der Zufluss nach Messungen ca. 25 Kubikm. pro Minute. Diese Wassermengen sind von dem Ingenieur, Herrn Baurath Salbach zu Dresden, welcher mit der Ausarbeitung des Projectes für die Wasserversorgung Oberschlesiens beauftragt ist, als Grundlage für dieselbe ausersehen, und liegt das bezügliche Project bereits den competenten Behörden vor. Mit Rücksicht auf die Erhaltung dieser Wasserquelle, welche schon jetzt für den ganzen Industriebezirk Oberschlesiens von hervorragender Bedeutung ist, hat das königl. Oberbergamt zu Breslau im Wege der Bergpolizei-Verordnung einen Schutzbezirk proclamirt, welcher in westöstlicher Richtung jederseits 2 Meilen des Wassercentrums, in nordsüdlicher Richtung über 1 Meile vom Centrum aus, mithin nahezu über 10 Qu.-Meilen begreift. Die Grenzen legen sich nahezu dem Rande an, in welchem sich südlich der Muschelkalk dem Steinkohlengebirge auflagert, und gehen von Ujest über Kieferstädtl nach Gleiwitz, von dort nach Rokitnitz und Repten, 1 Meile südlich von Tarnowitz und 1 Meile westlich von Beuthen, von Repten über Tost nach dem Anfangspunkt zurück. Innerhalb dieses Schutzbezirks sind alle Schürfarbeiten untersagt und nur mit Genehmigung des Bergrevierbeamten zulässig, der Betrieb bereits verliehener Gruben wird auf Grund des vorzulegenden Betriebsplanes controlirt und eventuell untersagt werden.