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Über Ursus arctos

Grotrian, H.

Kurzfassung

Herr H. Grotrian legte einen Bärenschädel vor und bemerkte dabei Folgendes: Der Schädel stammt aus dem Drömlings-Gebiete der norddeutschen Ebene und zwar aus der Ortslage des Fleckens Calvörde im Herzogthum Braunschweig. Derselbe ist dort auf dem Gehöfte des Reihebürgers Wilh. Friedrichs, No. 46, circa 286 Meter vom Ohreflusse entfernt, bei Anlage eines Brunnens in 1,5 M. Tiefe im Moorsande entdeckt; der Unterkiefer fehlt, auch sind sonstige Knochenreste nicht gefunden. Die Bestimmung der Bären-Art anlangend, welcher der, mit Ausnahme mehrerer Zähne und des rechtsseitigen Jochbogens, ausgezeichnet erhaltene, 399 Mm. lange Schädel zuzurechnen, so glaubte Redner, abgesehen von sonstigen kraniologischen Eigenthümlichkeiten, in der gleichmässigen, übrigens geringen Erhebung des Schädels von der Schnauze bis zur Stirn, ein von fossilen Arten, insbesondere der Ursus spelaeus-Form wesentlich abweichendes Merkmal zu erkennen. Hiernach, sowie in Rücksicht auf die Fundstätte, dürfe die Annahme, der vorliegende Schädel habe der jetzt lebenden Art Ursus arctos angehört, in eben dem Maasse, als in Betreff der in der Provinz Preussen vor mehreren Jahren ausgegrabenen drei Bärenschädel, worüber Herr Aug. Müller ausführlich berichtet, gerechtfertigt erscheinen. Auf welche Weise der qu. Schädel an den Ort seines Vorkommens gelangt sein möge, darüber können nur Muthmaassungen gehegt werden. Zu Calvörde, einer alten Ansiedelung der Wenden, in der Nähe der wildreichen Kolbitzer und Letzlinger Haide, habe sich ein aus der Zeit Kaiser Carl des Grossen herrührendes Castell befunden, an dessen Stelle später ein fürstliches Schloss und zwar theilweise auf dem gedachten Grundstücke No. 46, jetzt noch ,Burghof" genannt, innerhalb dessen besagter Schädel zu Tage gefördert, errichtet worden sei. Vielleicht lassen sich aus diesen Verhältnissen, wegen Existenz eines Ursus arctos im Burghof zu Calvörde, irgend welche Schlussfolgerungen ableiten.