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Über die uralte Saline zu Halle

Von Fritsch, Karl

Kurzfassung

Über die uralte Saline zu Halle wird von einer Gewerkschaft, die Pfännerschaft genannt, betrieben. Unter der umsichtigen und thatkräftigen Leitung des Herrn Salinendirector Leopold hat die Pfännerschaft in den letzten Jahren ein Bohrloch bei Zscherben südwestl. von Halle neben ihrem dortigen Braunkohlenwerke gestossen. Kürzlich wurde in einer Teufe von 875 M. die Zechsteingrenze erreicht und sehr nahe darunter Steinsalz gefunden, dessen Mächtigkeit durch weitere Untersuchungen festgestellt werden wird. Das Bohrloch steht in einer Meereshöhe von 107 M. (etwa 27 M. über dem Spiegel der Saale bei Wörmlitz). Es wurden durchsunken (in abgerundeten Zahlen ausgedrückt): Oligocänschichten etc. 12 M. Wellenkalk, oben schaumkalkführend, 106 M. Trigonienbänke (= Cölestinschichten) 21 M. Thon, Mergel, Gypse etc. des oberen Röth 118 M. Rogenstein, Dolomite, Kalke und Mergelthone des unteren Röth 30 M. Mittlerer Buntsandstein 286 M. (Von hier an Soole beobachtet.) Unterer Buntsandstein 302 M. Zechstein. (Bis Anfang August nur ca. 12 Mm., wovon etwa 8 M. Steinsalz.) Die erbohrten Mächtigkeiten entsprechen nahezu den wirklichen, da der Schichtenfall nach vielen Beobachtungen am Wellenkalk, Röth und mittleren Buntsandstein in der näheren Umgebung im Mittel nur auf 5° zu veranschlagen ist. Eine auf Grund dieses Einfallwinkels und der sonst in jener Gegend bekannten Mächtigkeiten der Schichten angestellte Berechnung wurde durch das Bohrresultat auf das Beste bestätigt. Von allgemeinerem Interesse ist namentlich mit Rücksicht auf Rüdersdorf die beobachtete Mächtigkeit der Glieder des Buntsandsteins. Interessant ist auch die Zechsteingrenze am Zscherbener Bohrloche, bezeichnet durch eine sehr harte quarzitische Bank, über der rothe Thone und Letten, unter der gleichgefärbte Mergel vorkommen. Vorgelegt wurden gut erhaltene Steinkerne von Ammonites tenuis v. Seeb. aus dem Röth von Langenboden bei Halle, Ammonites Buchii Dkr. (ob Wichmann?) aus dem untersten Schaumkalkhorizonte von Cölme bei Halle, sowie einige interessante Petrefacten aus dem Hercynkalk vom Wege zwischen Thale (Blechhütte) und der Rosstrappe, nämlich Bronteus cfr. furcifer Barr., Orthoceras cfr. dulce Barr. und Atrypa Thetis Barr.