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Die Bivalven der Schichten des Diceras Münsteri (Diceraskalk) von Kelheim.

Boehm, Georg

Kurzfassung

Die Kalke des Diceras Münsteri von Kelheim bei Regensburg sind seit langer Zeit sowohl durch ihre technische Verwendbarkeit als auch durch ihre Petrefacten berühmt, und bilden eines der bekanntesten Glieder des süddeutschen, oberen Jura. Dieselben wurden früher zu den Bauten der Befreiungshalle, der Walhalla und des Donau-Main-Kanals in grossartigem Maassstabe gewonnen. Glücklicherweise befand sich damals ein Mann in Kelheim, der die bei jenem Betriebe zu Tage geförderten Fossilien der Kalke des Diceras Münsteri und der sie überlagernden sogenannten Plattenkalke mit Eifer und Verständniss sammelte. Es war dies der Landgerichtsarzt Dr. Oberndorfer, dessen Sammlung schon im Jahre 1849 die Aufmerksamkeit der deutschen geologischen Gesellschaft auf sich zog. Diese Sammlung ist durch Ankauf in den Besitz des bayerischen Staates übergegangen und bildet jetzt eine der Zierden des Münchener palaeontologischen Museums. Die Bivalven derselben wurden mir von Herrn Prof. Dr. Zittel mit grösster Liebenswürdigkeit zur Bearbeitung überlassen, und die Arbeit selbst von diesem meinem verehrten Lehrer in mannigfacher Weise gefördert. Ich erlaube mir, hierfür den Gefühlen meiner innigen Dankbarkeit erneuten Ausdruck zu geben. Aussersem wurden mir die einschlägigen Materialien des Oberbergamts in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt, wofür ich Herrn Oberbergdirector Gümbel zu aufrichtigem Danke verpflichtet bin. Die sogenannten Plattenkalke lagern bei Kelheim über den Kalken mit Diceras Münsteri und setzen gewöhnlich so scharf gegen sie ab, dass vielfach die Ansicht geäussert wurde, man müsse jene von diesen trennen und sie als ein besonderes, jüngeres Glied des oberen, weissen Jura betrachten. Allein dies ist keineswegs die allgemeine Auffassung. Man steht hier vor einem controversen Punkte, wie es deren im oberen süddeutschen Jura mehrere giebt. Bei den vielen hervorragenden Arbeiten in diesem Gebiete der beste Beweis, wie schwierig das betreffende Terrain ist.