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Beobachtungen über Tektonik und Gletscherspuren im Fogarascher Hochgebirge.

Lehmann, Paul

Kurzfassung

Quer durch das Hochgebirge, welches sich als Grenzwall zwischen Siebenbürgen und der Walachei erhebt, nehmen im "Rothen Thurmpasse", einem 56 klm langen, tief eingeschnitenen Thale, die Wasser des Alt (rumänisch: Oltu) ihren Lauf. Erst tief im Gebirge, das zwischen Boica und dem Kloster Kozia eine Breite von 40 klm hat, findet sich hin und wieder ein kleiner Thalboden und bietet Raum für eine Ansiedelung; meist senken sich die mit Gras, Buchenwald und Buchengestrüpp bedeckten Lehnen unmittelbar hernieder zum Ufer des Alt und der längs desselben hinführenden, bis Chineni vortrefflichen, von da ab erbärmlichen Strasse. Krystallinische Schiefer, meistens Glimmerschiefer, wechsellagernd mit Hornblendeschiefern und einigen Bänken dichten oder körnigen Kalksteins, setzen die Berge zur Rechten wie zur Linken des Altdefilé's zusammen; nur vor der Mündung der grossen Lotru stehen eocäne (?) Conglomerate an, während südlich derselben die krystallinischen Schiefer sich mit steilen, zum Theil vegetationslosen Wänden in das hier über 1000 m spaltartig eingeschnittene Altthal herniedersenken. Trotz der gleichartigen petrographischen und Vegetations-Verhältnisse sind die beiden durch den Alt geschiedenen Theile der Süd-Carpathen in ihrer Physiognomik sehr verschieden. Das Mühlenbacher Gebirge ist ein Massengebirge von 100 klm Länge (zwischen Strell [Streiu] und Alt) und einer stellenweise 60 klm übersteigenden Breite. Mit Ausnahme des sich nahe dem Südrande erhebenden Paringu-Gebirges (Verfu Mandra 2520 m) und des von hier gegen die Koziaberge westöstlich streichenden Zuges fehlen kühne Formen. Von einem, nördlich und nordöstlich des Paringu gelegenen, centralen Kerne von Granulit strahlen nach West, Nord und Ost die Thäler radienartig aus, tief eingeschnitten zwischen den breiten Rücken der krystallinischen Schiefer.