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Ueber Sedimentär-Gesteine aus der Umgegend von Göttingen.

Lang, Heinr. Otto

Kurzfassung

Sedimentär-Gesteine sind seltener als Eruptivmassen der Gegenstand eingehender petrographischer Untersuchung, weil sie ihrer Natur nach dieselbe nicht zu lohnen versprechen. Die vielen Zufälligkeiten, welche bei sedimentärer und besonders deuterogener Gesteinsbildung statthaben können, erlauben selbst von der eingehendsten Untersuchung nicht zu behaupten, dass durch dieselbe alle und sämmtliche Beziehungen des Gesteins erschöpfend erforscht seien, und was die wesentlichen Eigenschaften betrifft, so offenbaren sich dieselben meist schon einer vereinfachten Prüfung in für die Zwecke der geologischen Praxis genügender Weise. Dass Verfasser trotzdem diesen spröden Stoff behandelte, dazu veranlasste zunächst die unternommene Kartirung der hiesigen Umgegend; das Interesse an den wissenschaftlichen Fragen nach Bestand, Structur und Bildung der einzelnen Gesteinsarten führte aber naturgemäss zu einer Prüfung, inwieweit die Göttinger Vorkommnisse den verbreiteten Theorien und Ansichten entsprächen. Die Resultate dieser Prüfungen nun, soweit sie mir allgemeineres Interesse zu verdienen scheinen, gleichviel ob sie nur in einer besonderen Hervorhebung von einzelnen schon bekannten, aber wenig beachteten Verhältnissen bestehen oder sich als Modificationen älterer Theorien darstellen oder endlich als völlige Neuerungen auftreten, unterbreite ich hier der Kritik der Fachgenossen. In der Gegend von Göttingen treten Gesteine der Triasformation, mit Ausnahme des unteren Buntsandsteins, und des Lias zu Tage; ausserdem finden sich unter dem Einfluss der Atmosphärilien entstandene Gesteinsablagerungen an den Gehängen vieler Hügel, sowie fluviatile Bildungen in den Thälern. Eingehenderer Untersuchung konnte begreiflicher Weise nicht jeder hier auftretende geologische Körper unterzogen werden, sondern es musste eine beschränkte Auswahl getroffen werden, für welche das geologische und petrographische Interesse leitend war. Leider konnte ich die lockeren Gesteinskörper hiesiger Gegend, wie Lehme, Löss und lössartige Ablagerungen, nicht einer so eingehenden Prüfung unterwerfen, als ich wohl gewünscht häte, weil mir die Instrumente, resp. Aufbereitungs-Apparate eines petrographischen Laboratoriums nicht zu Gebote stehen.