Original paper

Über Petrefacten in Kreidegeschieben Ostpreussens

Noetling, Fritz

Kurzfassung

Herr Dames hat im 25. Band dieser Zeitschrift Kreidegeschiebe aus Ostpreussen besprochen, die sich durch ihre Versteinerungen, Ammonites Coupei Brong., Turr. costatus Lam., Pecten orbicularis Sow., der Cenomanformation angehörig erwiesen. In einer späteren Publication hat Herr Dames und nach ihm Heer Kiesow in Danzig die Zahl der in diesen Geschieben gefundenen Petrefacten beträchtlich vermehrt. Durch das überaus reiche Material des Königsberger Mineraliencabinets, sowie durch die in der Sammlung der physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg aufbewahrten Petrefacten bin ich in die Lage gesetzt, ein Bild jener Fauna zu liefern, das, wenn auch hier und da lückenhaft, im Grossen und Ganzen doch der Wahrheit nahe kommt. Es betrag mit Abschluss meiner Untersuchungen die Zahl der Cephalopoden 6 Species, Gasteropoden 15 " Pelecipoden 35 " Brachiopoden 2 " wozu noch Corallen, Anneliden und Wirbelthierreste kommen. Die Zusammensetzung dieser Fauna ist in hohem Grade auffallend: Es muss der fast gänzliche Mangel an Echinodermen, deren Reste auf höchst fragwürdige Stacheln beschränkt sind, sehr befremden, ebenso wie die geringe Zahl der Brachiopoden, welche nur durch die beiden Genera: Lingula und Rhynchonella durch je eine Species, aber in grosser Zahl der Individuen repräsentirt, auffällig ist. Namentlich gewinnt das anderwärts in Kreideablagerungen ungemein seltene Genus Lingula, einerseits durch ungeheure Zahl der Individuen - einzelne Geschiebe bestehen nur aus zusammengebackenen Schalen der Lingula Krausei - andererseits durch die Art seines Vorkommens in den Geschieben, eine ganz besondere geologische Wichtigkeit, da sich hiernach die Geschiebe in zwei Gruppen trennen lassen: [...]