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Untersuchungen über pyrenaeische Ophite.

Kühn, Johannes

Kurzfassung

Von den zahlreichen Forschern, welche sich eingehender mit dem geologischen Bau der Pyrenäen beschäftigt haben, war es zuerst der Abbé Palassou, welcher im Anfange dieses Jahrhunderts ein an sehr vielen Stellen dieser Gebirgskette kuppenartig, in kleinen Ablagerungen auftretendes Massengestein mit dem Namen "Pierre verte" oder "Ophite des Pyrenees" belegte. Diese isolirten, kleinen Bergkuppen erscheinen nur äusserst selten in dem innersten Hochgebirge; die meisten Vorkommnisse finden sich am Ausgange der grösseren Thäler, am Fusse der westlichen Pyrenäen, zumal auf französischer Seite. Der für diese in einer so eigenthümlichen Art und Weise auftretenden Gesteine aufgestellte Namen wurde missbraucht und auf Gesteine vieler Hügel und Kuppen am Fusse der Pyrenäen angewendet, wenn sie auch petrographisch mit dem echten Ophit Palassou's nichts zu thun hatten. In Folge dieser falschen Anwendung des Namens "Ophit" haben sich manche Gelehrte gegen ihn ausgesprochen; immerhin aber ist er berechtigt, sobald man ihn nur auf solche Vorkommnisse anwendet, welche Palassou zur Aufstellung desselben veranlassten, "um damit den eigenthümlichen Habitus dieser offenbar ebensowohl petrographisch als geologisch zusammengehörenden Gesteine zu bezeichnen." Ueber die mineralogische Natur dieser Ophite spricht sich zuerst J. De Charpentier in folgender Weise aus: "c'est un melange d'amphibole et de feldspath". Daher rechnete man diese Gesteine zu der Familie des Diorites und beschrieb sie als Varietät desselben. Nachdem nun für die Petrographie das Mikroskop seine Dienste zu leisten begonnen, müssen die Ophite als zu einer ganz anderen Gruppe gehörig betrachtet werden.