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Die kristallinischen Schiefer in Attika.

Neumayr, M.

Kurzfassung

Vor Kurzem ist in dieser Zeitschrift ein Aufsatz von H. Bücking "Ueber die krystallinischen Schiefer von Attika" erschienen, welcher fast ausschliesslich gegen die von Bittner, Teller und mir über denselben Gegenstand veröffentlicht Anschauungen gerichtet ist. Es scheint mir nothwendig, Einiges hierauf zu erwidern, so unerquicklich auch solche polemischen Artikel für den Leser sein mögen. Bücking hat sich acht Tage in Athen aufgehalten und scheint in dieser Zeit ausser der unmittelbaren Umgebung der Stadt noch den Pentelikon besucht zu haben; selbstverständlich genügte eine so flüchtige Umschau nicht, um einen Ueberblick über die Gesammtheit der dortigen Verhältnisse zu gewähren. Nach der Beschaffenheit des Terrains und der vorliegenden Frage konnte dabei kaum durch Autopsie die Ueberzeugung von der Zusammengehörigkeit der Phyllite und der Kreidegesteine gewonnen werden, ebensowenig als mir dies bei ungefähr gleich minimaler Kenntniss der Thatsachen bei meinem ersten Aufenthalte in Athen möglich war. Auch ich hielt damals die Gesteine des Hymettus für wahrscheinlich altkrystallinisch, den Kalk der Akropolis für mesozoisch und nahm die Möglichkeit einer Discordanz zwischen letzterem und den darunter liegenden Schiefern an, während Bücking dieses Verhältniss als erwiesen betrachtet. Auf Grund lang dauernder, mühsamer, ohne jede vorgefasste Meinung angestellter Untersuchungen und Kartenaufnahmen haben wir endlich die mir anfangs durchaus widerstrebende Ansicht gewonnen, dass thatsächlich die gewöhnlichen Sandsteine, Schieferthone und Kalke der Kreideformation im Streichen in halbkrystallinische und diese wieder in vollkrystallinische Gesteine übergehen, und dass Schiefer und Kalke der letzteren Kategorie in Attika und Euboea und einigen benachbarten Gegenden als Angehörige der Kreideformation angesehen werden müssen; es wurde ferner hervorgehoben, dass dieses Alter nicht für alle derartigen Gesteine in Attika und Euboea sicher nachgewiesen werden könne, aber (mit Ausnahme der Plakagesteine) doch sehr wahrscheinlich sei.