Original paper

Ueber tertiäre Säugethierreste in Thüringen.

Fritsch, V. Karl

Kurzfassung

Vielleicht ist Ihnen eine kleine Mittheilung über neue Petrefactenfunde in Thüringen nicht ganz unlieb. Anfangs Mai erzählte ich Ihnen, dass mich das Interesse an der einzigen Stelle Thüringens, wo in tertiären Bildungen Säugethierreste beobachtet worden waren, veranlasst hat zu einigen Versuchsarbeiten bei Rippersroda unweit Plaue anzuregen. Die Besitzer der Berechtigung zum Braunkohlen-Abbau und Eigenthümer der Walkererde-Grube, H. Schulze Schurr und Genossen, haben mit grosser Bereitwilligkeit diese Arbeiten ausgeführt. Besonderen Dank schulde ich Herrn Bergmeister Zoberbier in Gera, welcher diese Arbeiten zu dirigiren und zu überwachen die Güte hat. Rippersroda liegt auf dem welligen Hügellande zwischen den beiden bei Plaue sich vereinigenden Flüsschen, der zahmen und der wilden Gera. Die Hügel, auf welchen die Wege von Plaue nach Rippersroda gehen und längs deren die Eisenbahn nach Angelroda zu führt, bestehen vorwiegend aus Geröll, Kies und Sand von Thüringerwald-Gesteinen (Porphyren etc.). Am Eisenbahneinschnitte beobachtet man noch bequemer als an anderen Aufschlusspunkten, dass die Lagen in der Regel mit ca. 10-15° gegen Plaue einfallen. Eingelagerte Thonbänke von grösserer oder geringerer Mächtigkeit und Ausdehnung werden öfters wahrgenommen, sie werden gegen Süden hin, also im Liegenden, häufiger, mächtiger und ausgedehnter als in der Nähe von Plaue. Oestlich von Rippersroda wird eines der Thonlager in seinen reineren Partieen als Walkererde abgebaut, die in Pössneck Verwendung findet. Ein schwaches Braunkohlenflötz liegt hier mehr als 10 m tief unter der Walkererde. Geröll und Kiesschichten zwischen beiden und Kieslagen unter der Braunkohle, sowie das gleichmässige Einfallen mit 10-15° nach Norden bez. Nordosten sprechen bestimmt für die Zusammengehörigkeit zu einem geologischen Zeitabschnitte.