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Ueber Acanthospongia aus böhmischem Silur.

Steinmann, Gustav

Kurzfassung

Die älteste, bis jetzt mit Sicherheit bekannt gewordene Lyssakine wurde schon 1846 von M' Coy aus silurischen Schichten Englands beschrieben. Später hat Zittel nach gut erhaltenem Material die Gattung genauer fixirt und sie in die Familie der Monakiden Marsh. eingereiht. Aehnliche, aber wohl unterscheidbare Reste aus dem Kohlenkalk wurden mit dem Namen Hyalostelia belegt. Ueber das Vorkommen der letzteren Gattung im Kohlenkalke von Ratingen habe ich bereits berichtet (diese Zeitschr. 1880. pag. 395). Die silurische Form ist ebenfalls keineswegs auf Grossbrittannien beschränkt, vielmehr scheint sie zu den verbreiteteren Fossilien jener Formation zu gehören. Denn ich fand, wenn auch spärlich, so doch sicher erkennbare Nadeln derselben, die ihre ursprüngliche kieselige Beschaffenheit beibehalten hatten, im Obersilur von Gotland. In weit grösserer Menge kommen sie aber in gewissen grauen Kalken des böhmischen Obersilur - leider fehlt eine genauere Schicht- und Ortsbezeichnung - vor, gleichzeitig mit gut erhaltenen Graptolithen, wie Monograptus priodon Barr. und Retiolites Geinitzianus Barr. Schon auf den Bruchflächen des Gesteins sind sie leicht als feine weisse Streifen zu erkennen. Auf geschliffenen und polirten Flächen fallen sie schon dem unbewaffneten Auge auf. Diese Nadelreste, mit welchen das mir vorliegende Gestein vollgespickt ist, passen ausgezeichnet zu der Zittel'schen Diagnose von Acanthospongia; sogar die ausserordentlich weiten, von Zittel erwähnten Axencanäle sind erhalten, obgleich die ursprüngliche Kieselsubstanz verschwunden und durch Kalk ersetzt ist. Dieses Auftreten so weiter Axencanäle sowohl in unveränderten als pseudomorphosirten Nadeln dürfte wohl dafür sprechen, dass dieselben ursprünglich so gewesen und nicht secundär ausgeweitet sind. Dann gewinnt aber diese Erscheinung in Rücksicht auf die Axencanäle der lebenden Spongien eine erhöhte Bedeutung, insofern nämlich, als weite Axencanäle nur in den frühesten Stadien der Nadeln heutiger Hexactinelliden auftreten. Beim weiteren Wachsthum verengt sich der Canal stark, oft atrophirt er gänzlich. Es ist demnach die Vermuthung nicht ausgeschlossen, dass die älteste Lyssakine, Acanthospongia siluriensis M' Coy, in dieser Hinsicht den embryonalen Zustand ihrer heutigen Verwandten auch im definitiven Wachsthumsstadium der Nadeln repräsentirt.