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Über Mutterlaugensalze

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

Redner führte an, dass er im Verfolge seiner Forschungen über die Bildung der Steinsalzlager dahin gelangt sei, die Mutterlaugensalze bezw. deren Lösungen als sehr wichtiges geologisches Agens oder Element betrachten zu müssen und erläuterte hierauf die Entstehung von Mutterlaugen kurz durch Aufzählung der Vorgänge, die in einem Meerbusen stattfinden, wenn derselbe durch eine horizontal verlaufende Barre in nur partieller Verbindung mit der offenen See steht. Er hob dabei hervor, dass bei Süsswasserzuflüssen, die in einem solchen Busen münden, es nur von der Grösse des offenen Barrenlängsschnittes abhängt, ob in der Bucht eine Süsswasser-, brakische oder marine Ablagerung entsteht, dass durch Veränderung dieses Durchschnittes der Barre, sei es vom Ocean her durch Stürme oder vom Lande her durch Ueberfluthungen, sich alle die Wechsellagerungen, wie wir sie z. B. am Mainzer und Pariser Becken finden, sehr einfach ergäben, und ging dann auf die Niederschläge über, die in einem Busen stattfinden, der ohne Süsswasserzuflüsse nur so viel Seewasser über die Barre erhält, als seine Oberfläche zu verdunsten vermag. Das Product dieser Processe ist dann ein Steinsalzlager, das, wenn keine Störungen der Verhältnisse imVerlauf eintreten, aus Gyps, Steinsalz und Anhydrit, letzterer vorzugsweise als Hangendes, zusammengesetzt ist. Mutterlaugensalze werden dabei nicht in nennenswerther Weise niedergeschlagen, sie verlassen das Becken über die Barre hinaus und gelangen wieder in den Ocean. Ebenso verlassen die Seethiere mit freier Bewegung den Busen, sobald die Concentration seines Inhaltes ihnen den Aufenthalt unmöglich macht. Die Existenz von Fauna und Flora in und sogar neben Salzwasserbecken mit concentrirtem Inhalte schliessen sich überhaupt gegenseitig aus. Alles dieses hatte der Redner schon 1876 in Jena speciell erläutert und es kurz darauf noch ausführlicher in seiner Arbeit darüber behandelt.