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Geologische Beobachtungen im Tessinthal.

Stapff, F. M.

Kurzfassung

Im Folgenden beabsichtige ich einige Süsswasserbildungen in ehemaligen Gletscherseeen des Tessinthals zu beschreiben, und glaube am verständlichsten zu sein, wenn ich kurze Skizzen über den Bau des Thales, Strandbilder und Gletschererscheinungen in demselben vorausschicke. Den Schluss bilden einige Beobachtungen über Spuren der ältesten Bewohner. 1. Bau des oberen Tessinthals. Von Cruina im hintersten Winkel des Bedrettothales bis Giornico folgt das Tessinthal 41 Kilom. weit einem nach N. convexen Bogen von etwa 20 1/3 Kilom. Radius. Dieser Bogen zerfällt in 4 natürlich begrenzte Abschnitte, auf welchen auch die uralte bürgerliche Eintheilung des Thales in Bedretto, obere, mittlere, untere Leventina beruht. Bedretto ist ein N. 60 O., dann N. 75 O., gerichtetes, von Cruina bis Stalvedro 15 Kilom. langes Antiklinalthal, von welchem die Schichten bergwärts 60-70° NW. und SO. einfallen. Bei Cruina spaltet sich die Antiklinale in einen fast OW. verlaufenden nördlichen Zweig (Nuffenen) und einen SW. gerichteten südlichen (Corno, Gries); zwischen beiden liegt die Synklinale des Nuffenenstockes. Eine scharfe Drehung des nordöstlichen Streichens in nordnordöstliches und andere Gründe lassen zwar vermuthen, dass bei Roneo (oberhalb Villa) die Antiklinale des Bedrettothales in zwei zerfällt, welche zwischen genannten Orte nebeneinander verlaufen, dann ausspitzen, doch ist für das folgende die Erörterung dieses Details nicht wesentlich.