Original paper

Geologische Beobachtungen im Tessinthal.

Stapff, F. M.

Kurzfassung

2. Strandbilder. Der Wanderer, welcher seinen Weg zwischen der Biaschina und Chiggiogna von 300-800 m hohen Klippwänden eingerahmt sieht, ahnt kaum dass auch hinter ihren Zinnen Menschen wohnen, von denen es noch weit ist zum höchsten Gebirgskamm, den er vom Thalboden aus zu erblicken meinte. Hat er aber den Thalrand auf stundenweitem Umweg erreicht, so findet er sich erstaunt auf einem flach geneigten Wiesenband, welches bald halbkilometerbreit ausgreift, bald zu schmaler Leiste zusammenschrumpft; hie und da an Klippeggen absetzt, von Sturzhalden überschüttet oder von Thalmulden unterbrochen ist. Und hinter diesem Boden ragt abermals eine Klippmauer, öfters über die Waldgrenze hinaus. Das Wiesenband zieht sich vom Hauptthal in die Seitenthäler; bequeme Pfade führen auf ihm von Bergdorf zu Bergdorf: Von Mti Gala im Val Chironico 1492 m, nach Mti Gonzegno 1419, Mti Olina 1461, Mti Chesso 1447, den Wiesenflächen oberhalb Gribbio 1444, durch den Wald von Dalpe bis Piumogna 1400, und Alpe Gora 1440. Nach einer Unterbrechung von 9 à 10 km findet man den Saum wieder bei Gioet 1440 und folgt ihm nach Giof 1410, Nante 1426, den Sennhütten von Coliscio 1519 und 1395 (1457) Alle Cassine 1502, Strade rosse 1474. Von da steile Waldlehne bis zu den Böden von Motta und Selva 1470, Ronco 1481 und Bedretto 1405, im hintersten Bedrettothal. Dies ist eine Strecke von fast 35 km, auf welcher die mittlere Meereshöhe des auch ohne Karte leicht erkennbaren flach geböschten Bandes 1442 m beträgt; mit Schwankungen zwischen 1400 und 1500.