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Über die Sande im norddeutschen Tieflande und die grosse diluviale Abschmelzperiode.

Berendt, G.

Kurzfassung

Wenngleich der Vortrag in seinem ganzen Umfange in dem diesjährigen Jahrbuche der königl. geologischen Landesanstalt erscheinen wird, möge doch seiner allgemeineren Bedeutung halber hier näher auf denselben eingegangen werden. - Im Allgemeinen, und so auch vom Standpunkte der bis vor Kurzem in Deutschland bei Erklärung der Diluvialbildungen und ihrer Entstehung unumschränkt herrschenden Drifttheorie, war man berechtigt, mit der Bildung deutlicher Strom-, Fluss- und Bachthäler und deren Gruppirung zu ausgeprägten Flusssystemen, wie sie die heutige Oberflächengestaltung Norddeutschlands erkennen lässt, die Trockenlage des bisherigen diluvialen Meeresbodens, d.h. das Ende der Diluvialzeit für einen solchen Theil der Erdoberfläche anzunehmen und die Alluvialzeit zu beginnen. Mit anderen Worten, alle nachweislich nach Bildung der Thäler in Norddeutschland entstandenen, in den letzteren abgesetzten Schichten hatte man ein Recht für alluvial anzusprechen. Wenn es sich somit des Weiteren herausstellte, dass neben der Bildung der heutigen Flusssysteme ein regelrechtes nur in höherem Niveau gelegenes und weit grossartigeres Flusssystem in Norddeutschland bestanden habe, aus welchem die gegenwärtig anscheinend sehr abweichenden Flusssysteme dennoch mit Leichtigkeit abzuleiten, und dessen Thalauswaschungen, auch wo sie heute von keinem Flusse mehr durchströmt werden, überall noch deutlich erkennbar sind, so war man ebenso berechtigt, ein solches als altalluvial abzutrennen und die in diesem höheren Niveau eine ausgeprägte alte Thalsohle bildenden steinfreien Sande als altalluviale Thalsande zu unterscheiden, wie es bei den Kartenaufnahmen der Berliner Gegend geschehen. Man war dazu umsomehr berechtigt, als schon die Aufnahmen Meyh's in Schleswig-Holstein und demnächst die des Vortragenden in Ostpreussen die Unterscheidung eines ungefähr in gleichem Niveau lagernden, steinfreien Altalluvialsandes, des Haidesandes, zur Folge hatten, einer Bildung, die Herr Von Dechen sofort den Sanden der belgischen Campine gleichaltrig erkannte und auch seinerseits als eine altalluviale Umränderung der Nord- und der Ostsee erklärte. Dem entgegen zwingen die fortgesetzten Aufnahmen der geologischen Specialkarte im norddeutschen Flachlande gegenwärtig immer mehr dazu, Altalluvium und Jungdiluvium, d.h. Haidesand und Thalsand einerseits, Geschiebesand und Geröllbestreuung andererseits als gleichzeitige Bildungen zu erkennen und Redner freut sich den seinerseits bisher begangenen Fehler noch rechtzeitig erkannt zu haben und selbst wieder gut machen zu können.