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Über einen Kersantitgang im Oberharz

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Herr Von Groddeck sprach, unter Vorlegung einer grösseren Anzahl von Belegstücken, über Sericitgesteine (weisses Gebirge) von Holzappel - cf. N. Jahrb. für Min. etc. 1882, 2ter Beilageband - und über einen Kersantitgang im Oberharz, über welchen er demnächst in einem selbstständigen Aufsatz berichten wird. Herr K. A. Lossen behielt sich vor im gegebenen Falle auf den zweiten Theil des v. Groddeck'schen Vertrages zurückzukommen, sobald derselbe im Wortlaut vorliege und die Untersuchungen über die Ganggesteine zum Abschluss gediehen seien. Für den Harz-Geologen sei das Interesse daran ein vielfaches: die Streichrichtung und der treppenförmig abgestufte Verlauf des Gangspaltenzuges stimme so wesentlich überein mit Streichen und Verlauf der mittelharzer postgranitischen Eruptivgänge, dass seine Zugehörigkeit zu dieser geologischen Eruptivformation nicht wohl zweifelhaft sein könne. Zum erstenmal sei hier der directe Beweis erbracht, dass die Gänge dieser Formation jünger als die Culmgrauwacke, die jüngsten Kerngebirgsschichten des Harzes, seien; um so werthvoller werde eine genaue Darlegung des Verhaltens des in Rede stehenden Ganges zu den Oberharzer Erzgängen sein. Die Kersantone der Bretagne seien nach einer brieflichen Mittheilung von Barrois sehr wahrscheinlich jünger als die Culmformation, sicher sei dies für die Lamprophyre Gombel's , beide, wie das Oberharzer Vorkommen, in echten Gängen die Schichten durchquerend. Dagegen zeige das Kersantit-artige Gestein aus dem Klostergrunde bei Michaelstein im Unterharze gleich dem Kersantit von Langenschwalbach allem Anschein nach lagerartiges Verhalten, analog den Diabasen, und müsse danach als unterdevonisch angesprochen werden. Eine definitive Benennung beider Vorkommen, des Oberharzer Gang- und des Unterharzer Lagergesteins werde sich am besten geben lassen, sobald die ganze Reihe der postgranitischen Gang- und der praegranitischen Lager-Eruptivmassen untersucht sei.