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Ueber senone Kreidegeschiebe der Provinzen Ost- und Westpreussen.

Schröder, Henry

Kurzfassung

Schon Breyn hat aus den senonen Kreidegeschieben Preussens Petrefacten beschrieben. Jedoch erst 1858 knüpfte Schumann bei Gelegenheit der Beschreibung des Thorner Bohrloches Thatsachen und Folgerungen von geologischer Bedeutung an seine Untersuchung. Das Bohrloch ergab nach ihm unter einer 80 Fuss hohen Decke von Alluvium, Diluvium und Tertiär eine 362,5 Fuss tiefe Schichtenfolge, welche er als zur Kreideformation gehörig betrachtet. Von Versteinerungen fand er nur Foraminiferen und Spongiennadeln. Durch das vollständige Fehlen der Feuersteinknollen liess sich Schumann verleiten, die Schichten mit dem "mittleren Quadermergel" von Geinitz zu identificiren, woran nach unseren heutigen Erfahrungen garnicht zu denken ist. Neben dem Auffinden der Kreideformation im Bohrloch war ein wichtiges Resultat seiner Untersuchung die Identificirung des von 300' bis 393' angetroffenen Gesteins mit den senonen Diluvialgeschieben, die im Volksmunde als "todter Kalk" gehen. Schumann führte für diese Gebilde den terminus "harte Kreide" ein. 1863 beschrieb F. Romer als "grauen bis graulichweissen Kalkmergel, mehr oder minder kieselhaltig, auch häufig Glaukonitkörner, feine Glimmerblättchen oder auch Quarzkörnchen enthaltend" Geschiebe, die sehr vorbreitet im norddeutschen Flachlande östlich der Elbe vorkommen. "Organische Einschlüsse sind häufig in dem Gestein. Alle sicher erkennbaren Arten sind bekannte Formen der weissen Schreibkreide und identisch mit im Feuerstein vorkommenden. Sehr häufig ist namentlich Ostrea vesicularis. Auch Belemnitella mucronata, im bernsteingelben, durchscheinenden Kalkspath versteinert, gehört zu den gewöhnlichsten Arten." Als Ursprungsgebiet der Geschiebe nimmt Romer die dänischen Inseln an. In dem gleichen Jahre als Romer seine Beobachtungen über die Diluvialgeschiebe der norddeutschen Tiefebene veröffentlichte, machte Schumann einige Angaben über senone Geschiebe Preussens.