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Geologische Beobachtungen im Tessinthal.

Stapff, F. M.

Kurzfassung

3. Gletscher. Das Tessingebiet bis zur Mündung des Brenno umfasst 423 km2. Es war einst fast ganz vergletschert, während gegenwärtig Gletscherüberreste nur noch 9 km2 oder 2,1 pCt. seiner Fläche einnehmen. Obwohl zum Studium lebendiger Gletscher also wenig geeignet, bietet es doch gute Gelegenheit, die Spuren gewesener bis an ihre Wurzeln zu verfolgen. Die jetzige Firnregion des Tessinthales beginnt (theoretisch) 2875 m ü. M. und umfasst gleichfalls gegen 9 km2, deckt sich deshalb aber keineswegs mit der Gletscherregion; denn während einerseits zahlreiche Kämme und Gipfel bar aus dem Firn hervorragen, strecken sich andererseits vereinzelte Gletscherzungen durch den Gürtel der ständigen Schneeflecken etc., welche im Mittel bis 2460 m hinabgehen. Nebst Gletscher und Firn nimmt der Schnefleckengürtel 46,5 km.2 oder 11 pCt. des ganzen Thalgebietes ein. Dies Areal könnte unter jetzigen klimatischen Verhältnissen ebenso vergletschert sein wie ehemals das ganze Thalsystem, wenn sein Firn noch genügende Subsistenzmittel gewährte. Da dem gletscherfähigen Terrain von 46,5 km2 ein Firngebiet von 9 km2 zukommt, so könnte man rückwärts schliessen, dass zu dem einstigen Gletscherterritorium von 423 km2 82 km2 Firn gehörten, welcher zu etwa 2200 m ü. M. hinbgereicht hätte. Oder auch müsste auf dem jetzigen Firngebiet von 9 km2 zur Gletscherzeit etwa 9 mal so viel geschneit sein als gegenwärtig. Auf dem Gotthard fällt jährlich im Mittel 1208 mm Wasser als Schnee. Darf das Niederschlagsquantum der Firnregion gleichgross angenommen werden, so müssten daselbst (zur Gletscherzeit) 10872 mm Wasser geschneit sein. Dies scheint nicht unmöglich, aber wenig wahrscheinlich; denn wenn es auch zu Tscherrapundschi jährlich 12300 mm regnet, so ist doch kein Ort auf Erden bekannt, wo jetzt ein entsprechendes Schneequantum fiele. Daraus dürfte hervorgehen, dass zur Gletscherzeit die Firngrenze wirklich tiefer gelegen hat als gegenwärtig; und dies ist nur denkbar, wenn in gleicher Meereshöhe die Bodenwärme damals niedriger war.