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Ueber einige glaciale Druckerscheinungen im norddeutschen Diluvium.

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Je eingehender man sich mit dem Studium der Einzelerscheinungen unserer Diluvialablagerungen beschäftigt und dieselben auf ihre Entstehung prüft, um so klarer und verständlicher enthüllt sich dem Blicke das Bild der grossen Inlandeisbedeckung. Diese an mir selbst gemachte Erfahrung wurde durch Forschungen gewonnen, welche sowohl gelegentlich der geognostischen Aufnahmearbeiten in der Umgegend Berlins, als auch auf einigen zu diesem Zwecke unternommenen Reisen angestellt wurden und darauf hinausgingen, die Wirkungen des Gletscherdruckes in verschiedenen Theilen des norddeutschen Flachlandes nachzuweisen. Da die Resultate dieser Untersuchungen geeignet sein dürften, neue Beiträge für den Nachweis der Torell'schen Inlandeistheorie zu liefern, so sollen sie hiermit der Oeffentlichkeit zur weiteren Prüfung übergeben werden. Die beobachteten Erscheinungen sind Schichtenstörungen in Diluvialablagerungen und in einer älteren mit ihnen in einem derartigen Zusammenhange stehenden Gebirgsart, dass die Störungen in derselben ebenfalls während der Diluvialzeit stattgefunden haben müssen. Derartige Phaenomene sind bereits verschiedentlich zum Gegenstand eingehender Untersuchung und Beschreibung gemacht worden. Während man in Skandinavien, Dänemark und Grossbritannien schon lange geneigt war, dieselben als glaciale Druckwirkungen anzusehen, war es bei uns zuerst und vor allen Dingen das Verdienst Credner's, an vortrefflichen Beispielen aus dem nordwestlichen Sachsen und den angrenzenden Landstrichen nachgewiesen zu haben, dass die dort im Untergrunde des Geschiebelehms auftretenden Schichtenstörungen nur auf die mechanische Einwirkung des skandinavisch-norddeutschen Inlandeises auf seinen Untergrund zurückzuführen sind.