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Ueber die Bildung der Stylolithen und über Fulgurite.

Gümbel

Kurzfassung

Ueber die Bildungsweise der Stylolithen sind bis jetzt ziemlich zahlreiche Erklärungsversuche bekannt geworden, von welchen jedoch keiner, wie es scheint, sich einer allgemeinen Zustimmung zu erfreuen hat. Es ist hier nicht der Ort, auf alle diese einzelnen z. Th. aber neuerlichen Versuche, von denen denn doch wohl nur die schon vor langer Zeit durch Herrn Beyrich gegebenen und dann jene von v. Quenstedt zuletzt in den Epochen der Natur besprochenen als den Thatsachen entsprechend anzusehen sein möchten, näher einzugehen. Nachdem ich die in dem fränkischen Muschelkalk fast in allen Gliedern, vorzüglich aber in dem Schaumkalk und Trigonodus-Dolomit von Rothenburg, ebenso in dem fränkischen Jurakalk und selbst Dolomit (wenn auch spärlich) vorkommenden Stylolithen reichlich gesammelt und mit den weitaus schönsten Exemplaren aus dem Muschelkalk von Rüdersdorf, aus der Jenaer Gegend und jener der Zenker'schen Sammlung sorgsam verglichen habe, glaube ich umsomehr zu gesicherten Ergebnissen gekommen zu sein, als es mir auch experimentell gelungen ist, solche Stylolithen künstlich zu erzeugen. Es darf als bekannt vorausgesetzt werden, dass weitaus die meisten Stylolithen von unten nach oben in die umgebende Gesteinsmasse hineinragen, also gleichsam aufgestiegen sind. Doch habe ich mich an anstehenden Schichten überzeugt, dass schmale Stylolithen auch von oben nach unten niedersetzen, abgesehen von den Fällen, in welchen ganz augenscheinlich schwerere Einlagerungen, z.B. Muschelschalen, Ammoniten etc. in die untere, noch weiche Schlammmasse eingesunken sind und stylolitenartig gestreifte, abgegrenzte Gleitungsflächen erzeugt haben.