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Über Rhynchorthoceras Anglini Boll sp. und Fenestellenkalk

Remelé

Kurzfassung

Herr Remelé zeigte ein ausgezeichnetes Exemplar von Rhynchorthoceras Angelini Boll sp. vor, welches kürzlich bei Heegermühle unweit Eberswalde zusammen mit 2 anderen Stücken derselben Art, einem regulären Orthoceras und einem Pygidium von Asaphus platyurus Ang. in einem Geschiebe von jüngerem, rothem Orthocerenkalk gefunden wurde. Dasselbe ist bei 13,5 cm Länge fast bis zur äussersten Spitze erhalten, so dass der Durchmesser am unteren Ende noch etwas weniger als 2 mm beträgt, und zeigt vortrefflich die für die Gattung charakteristische bogenförmige Krümmung des Anfangstheils. Es ist dieser Fossilrest deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil er auf den ersten Blick sich als ein echtes Rhynchorthoceras zu erkennen giebt, während gerade die in Rede stehende häufigste Art des genannten Genus in ihrem gewöhnlichen fragmentarischen Erhaltungszustande am meisten dem Aussehen eines regulären Orthoceratiten sich nähert. Derselbe Redner sprach sodann, unter Vorlegung von Belegstücken, über neue Funde des von ihm früher beschriebenen Fenestellenkalks. Vor Kurzem wurde durch Herrn Cuncler von dieser seltenen Geschiebe-Art zwei ausgezeichnete Stücke im unteren Diluvialgrand bei Heegermühle aufgefunden und der Geschiebesammlung der Eberswalder Forstakademie übergeben, welche eine überaus reiche Ausbeute an Versteinerungen gelieferten haben. Das eine derselben (No. 1) gehört zur typischen Abänderung dieses Gesteins, und gleicht durchaus dem a.a.O. besprochenen Diluvialgerölle von Oderberg i.d.M., östlich von Eberswalde, in welchem der Vortragende zuerst eine eigentümliche, dem Leptaenakalk Dalekarliens entsprechende Geschiebe-Art erkannte; es ist zusammengesetzt aus dichter Kalksteinmasse von fleisch- bis ziegelrother Farbe und reichlichem, weissem Kalkspath, in dem nur vereinzelt auch rothe Kalkspathlamellen liegen. Das andere Stück (No. 2) weicht petrographisch etwas ab; dasselbe besteht aus einem bröcklig zerspringenden, lichtgrauen dichten Kalk mit Einschlüssen von zumeist farblosem oder weissem Kalkspath, enthält zugleich aber auch kleine röthliche Parwen, und zwar tritt die röthliche Färbung hauptsächlich bei einem Theile der Kalkspathsubstanz auf, welche die zahlreich vorhandenen Crinoidenstiele petrificirt.