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Über Ausgrabungen in der Einhornhöhle bei Scharzfeld

Struckmamn, C.

Kurzfassung

Herr C. Struckmamn gab eine kurze Uebersicht seiner in den Jahren 1881 und 1882 mit Unterstützung der provinzialständischen Verwaltung der Provinz Hannover veranstalteten umfangreichen Ausgrabungen in der Einhornhöhle bei Scharzfeld am südlichen Harzrande, indem derselbe zugleich einen Theil der interessantesten Fundstücke zur Ansicht vorlegte. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der im Jahre 1881 vorgenommenen Ausgrabungen sind vor Kurzem im Archiv für Anthropologie Bd. XIV. pag. 191 bis 234 mit Taf. VIII. bis X. bereits veröffentlicht worden; die Resultate der im März, April und Mai 1882 fortgesetzten Arbeiten, welche eine reiche und die bisherigen Funde zum Theil wesentlich ergänzende Ausbeute lieferten, können dagegen erst später ausführlich mitgetheilt werden, nachdem das umfangreiche Material vollständig geordnet und bestimmt sein wird. Die Einhornhöhle liegt im Dolomite der Zechsteinformation am südlichen Harzrande, etwa, 1,5 km nördlich vom Bahnhofe Scharzfeld-Lauterberg, auf der Höhe eines schön bewaldeten, die "Schneie" genannten Bergrückens, etwa 350 m über dem Meeresspiegel und ungefähr 125 m über der jetzigen Thalsohle des Oderflusses. Die Höhle, welche in älteren Schriften unter dem Namen "das Zwergloch" erwähnt wird, ist bereits seit reichlich 200 Jahren bekannt und wahrscheinlich 1663 zum ersten Male von August Scheffer befahren; eine ausführliche und grösstentheils noch jetzt zutreffende Beschreibung derselben hat Leibnitz, welcher die Höhle selbst besuchte, in seiner, erst nach seinem Tode herausgegebenen "Protogaea" geliefert. Im vorigen Jahrhundert wurde die Höhle vielfach durchwühlt und zwar wegen der zahlreichen darin vorkommenden fossilen Thierknochen, welche damals unter dem Namen "Unicornu fossile" als Arzneimittel benutzt und weit und breit verhandelt wurden. Dieser Umstand gab allmählich zu dem Namen "Einhornloch oder Einhornhöhle" Veranlassung, obwohl fossile Reste des Rhinoceros bislang nicht darin gefunden sind.