Original paper

Über die am folgenden Tage (23. August) nach Liebenstein auszuführende Excursion

Weiss

Kurzfassung

1. über das dortige Verhalten des Zechsteins, welcher in zwei verschiedenen Entwickelungsweisen an ganz benachbarten Stellen erscheint. Aus den Altensteiner Dolomiten, die eine abweichende Stellung repräsentiren, hatte Herr Salinendirector Rückert von Salzungen eine interessante Sammlung der vorkommenden Petrefacten ausgestellt. 2. boten die merkwürdigen Gesteinsgänge des krystallinischen Grundgebirges zu Bemerkungen Anlass, welche bei Liebenstein und in weiterer Umgebung auftreten und sehr mannigfache Erscheinungen veranlassen. Die Gangspalten sind theils von sauren Gesteinen, Granitporphyr, auch Quarzporphyr, erfüllt, theils von basischeren Gesteinen, die man verschieden zu benennen haben wird und die bis zu Diabasen hin gehen. Gewisse Gänge aber zeigen zwei oder selbst mehrere solche Gesteine in der Art vereinigt, dass die Mitte von dem sauren, die Seite von dem basicheren Gesteine gebildet wird, meist scharf an einander abschneidend. Einer der interessantesten Fälle ist im Corällchen (ein Wäldchen) bei Liebenstein zu sehen, wo es Granitporphyr und Diabas sind, welche gangförmig in einem granitähnlichen Gneiss als Nebengestein aufsetzen und durch Steinbruch aufgeschlossen sind. Der Granitporphyr umschliesst massenhaft Bruchstücke eines schwarzen Gesteins, das ebenfalls diabasartig ist, jedoch weniger körnig, selbst mit dichter Grundmasse, ausserdem viele Quarz- und grosse Feldspathkrystalle umschliessend, von genau derselben eigentümlichen Beschaffenheit wie die des Granitporphyrs und manchmal halb im schwarzen Einschluss, halb im Granitporphyr steckend. Das Vorkommen hat schon oft die Aufmerksamkeit der Geologen erregt, ist auch zuletzt von Pringsheim behandelt worden. Der Vortragende gab die Erklärung für dieses, wie ähnliche Vorkommen, dass in derselben Gangspalte zuerst eine basischere (hier Diabas-) Eruption stattgefunden habe, welcher eine zweite des Granitporphyr, vielleicht verhältnissmässig bald, nachfolgte. Viele Bruchstücke des Diabas wurden vom Granitporphyr eingeschlossen, bis zu gewissem Grade umgeschmolzen und dabei wanderten zahlreiche Quarz- und Feldspathkrystalle in die Einschlüsse hinein.