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Ueber diluviale Eisbedeckung in Mitteldeutschland.

Liebe, Th.

Kurzfassung

Die beifolgende Skizze dürfte Ihnen nicht ganz uninteressant sein, obgleich Sie derartige Erscheinungen in Norddeutschland häufiger haben. Bei uns ist es der erste mir vollständig zweifellose Beweis für eine ehemalige Eisbedeckung. Es giebt ja bei uns auch verschiedene paläontologische und geologische Beweisstücke; allein diese haben nur durch ihr Zusammenwirken und durch die Analogieen beweisende Kraft: für sich allein hat keines diese Kraft. In jüngster Zeit ist dicht bei Grossaaga, einem Dorfe eine Meile nördlich von Gera auf der Section Langenberg gelegen, durch einen Einsturz, den Sandgräber verursacht hatten, ein sehr bemerkenswerthes Profil aufgeschlossen worden. Die beistehende Skizze desselben zeigt die etwa 24 m lange und 6 m hohe, fast senkrecht abgebrochene Grubenwand. Zwischen diluvialen Schichten, die rechts vollkommen söhlig und links auf geneigter Unterlage schräg aufgelagert, aber vollkommen ungestört sind, erhebt sich eine Partie des oberen Oligocän mit seitlich zusammengeschobenen und theilweis verquetschten Schichten. Diese tertiären Lagen, welche die Schichtung allenthalben auf das Deutlichste erkennen lassen, bestehen aus graulich-weissen bis gelblich-weissen Thonen, aus feinen, fest zusammengepressten, hie und da etwas thonigen Quarzsanden, aus röthlichen Letten - genau wie die entsprechenden oberoligocänen Schichten in der nächsten Nachbarschaft. Die diluvialen Massen bestehen unten aus einem Geschiebelager, welches Quarz- und nordische Geschiebe, daneben auch noch oligocäne und Buntsandsteinbrocken zusammensetzen - weiter oben aus bräunlichen Sanden gemischter Zusammensetzung und aus braungelbem Lehm mit einzelnen nordischen Geschieben, die nach oben immer spärlicher werden. Es ist dies demgemäss das älteste ostthüringische Diluvium.