Original paper

Ueber einen im Gouvernement Sarátow, am 21. Juli 1882 gefallenen Meteorit.

Tschernyschow, Theosodius

Kurzfassung

"Den 21. Juli um 5 Uhr Nachmittags, bei vollkommen heiterem Himmel fiel auf eine Wiese beim Dorfe Páwlowka, Bez. Balaschew, Gouv. Sarátow, ein Meteorit. Drei starke Schläge, die durch ein donnerähnliches Getöse unterbrochen würden, begleiteten den Fall, während dessen sich auch ein heftiger Wirbelwind erhob. Der niedergefallene Stein, 5 Pfund schwer und von der Gestalt eines Polyeders, zeigt deutliche Schmelzspuren. Von Aussen schwarz, ist er grauweiss im Innern und enthält Flitterchen, die an Quarz und Glimmer erinnern. - Er vertiefte sich auf 2 Werschok (ca. 4 cm) in den Boden, trotzdem dieser in Folge andauernder Trockenheit sehr verhärtet war." So lautet die erste, vom "Sarátow'schen Blatte" gebrachte Kunde über den Meteoritenfall. Verfasser, dem nur kleine Stücke des Steines zur Verfügung standen, unterzog die Substanz einer mikroskopischen Untersuchung. In einer spröden, aschgrauen Grundmasse, bestehend aus einem krystallinisch-körnigen Gemenge eines Feldspaths und eines Pyroxens, sind bis 2 mm grosse Körner sowohl dieser beiden Mineralien als auch von Olivin porphyrartig ausgeschieden. Der Feldspath, der vor dem Löthrohre nicht schmilzt (wie ein Versuch von Herrn P. W. Jereméjew zeigte), gelatinirt in Salzsäure und ist somit Anorthit. Seine Umrisse sind selten regelmässig; meist sind es Leisten, die entweder einheitlich sind oder polysynthetische Zwillingskrystalle vorstellen, was umso bemerkenswerther, als diese Art der Verwachsung nur vor ganz kurzer Zeit zum ersten Male beim Meteorit von Mocs (G. Tschermak) beobachtet worden ist.