Original paper

Ueber den ausgewachsenen Zustand von Encrinus gracilis Buch.

Kunisch, Herman

Kurzfassung

Leopold von Buch erwarb auf einer italienischen Reise im Jahre 1844 in Recoaro ein Muschelkalkstück, auf welchem sich neben zahlreichen Fragmenten von Encriniten-Stielen eine kleine Encrinus-Krone vorfand. Letztere wurde von ihm der neuen Species Encrinus gracilis zu Grunde gelegt. Bald darauf erhielt Hermann Von Meyer mit der Mentzel'schen Sammlung aus Chorzow in Oberschlesien zwei junge Exemplare derselben Art und errichtete für sie das neue Genus Dadocrinus. Sie wurden von ihm 1851 abgebildet und beschrieben. Die von L. v. Buch aus Recoaro mitgebrachte zierliche Krone bildete Beyrich, der übrigens das Genus Dadocrinus wieder einzog, in seinem ausgezeichneten Werke über die Crinoiden des Muschelkalks ab und beschrieb sie so ausführlich, dass man beim Studium des Encrinus gracilis auf diese Arbeit immer wird zurückgreifen müssen. In F. Romer's Geologie von Oberschlesien ist das Buch'sche Exemplar in Vergrösserung und ein ebenfalls nur winziges, obendrein noch restaurirtes Original-Exemplar von Chorzow dargestellt. Quenstedt fusst in seiner Petrefactenkunde Deutschlands auf dem Buch'schen Exemplare und giebt in seinem Atlas zu den Asteriden und Encriniden nur eine Copie der Beyrich'schen Zeichnung und von F. Romer's restaurirtem Exemplar. In Benecke's geognostisch-palaeontologischen Beiträgen endlich findet sich eine Vergrösserung eines grösseren Exemplares von Recoaro, welche aber nicht besonders gelungen ist. Benecke beschreibt auch diesen älteren Zustand nicht genauer, sondern verweist einfach auf die von Beyrich gelieferte Beschreibung des Buch'schen Exemplares. Wir sehen somit, dass bisher nur Jugenzustände des Encrinus gracilis beschrieben und mit Ausnahme des eben erwähnten Falles bildlich dargestellt worden sind. Eine grössere Anzahl von ausgewschsenen Individuen, welche ich der Güte des Herrn Beyrich, des Steinbruchbesitzers Herrn Schmula zu Krappitz i. O.-Schl. und des Herrn Langenhan zu Breslau verdanke, bringen mich in die Lage, auf diejenigen Merkmale aufmerksam machen zu können, welche den ausgewachsenen Zustand des Encrinus gracilis von seinem Jugendzustand unterscheiden.