Original paper

Ueber eine neue Crinoiden-Art aus dem Muschelkalk der Hainleite bei Sondershausen.

Picard, K.

Kurzfassung

Der Neubau des Staatsschulgebäudes zu Sondershausen ist die Veranlassung gewesen, dass in den Muschelkalkbrüchen der Umgegend sehr fleissig gearbeitet und eine ungeheure Fülle von Material aufgespeichert worden ist. Die meisten der Quadern, welche dem erwähnten Monumentalbau eingefügt worden sind, wurden auf dem "grossen Totenberge" zugerichtet. Unter den Steinen, welche die Bauleute verwerfen mussten, zogen mich jene cavernösen Schichten an, welche zwar neben Terebratula vulgaris höchst selten Stacheln oder Ambulakraltäfelchen von Cidaris transversa v. Meyer enthalten, aus denen jedoch der von dem Herrn Rechtsanwalt und Notar K. Chop hier gefundene, selten schöne Encrinus Brahlii Overweg stammt. Im Herbst 1880 fand ich eine fast vollständige Krone dieses Crinoiden, deren Arme, bis zur Spitze erhalten, zahlreiche gegliederte Pinnulen tragen. Meinem Vater, E. Picard in Schlotheim, gelang es kurze Zeit darnach, in diesen Schuttmassen zehn mehr oder minder vollständige Kronen derselben Species aufzufinden. Mir wurde es später möglich, einige Exemplare, u.a. auch zwei Platten von je 0,25 m Länge und 0,15 m Breite mit je vier resp. fünf Kronen und daneben Arm- und Pinnulentrümmer, dem hiesigen naturwissenschaftlichen Verein vorzulegen. Abweichend von diesen Resten des Encrinus Brahlii fand ich im März 1882 eine andere Crinoidenform, über welche ich im Folgenden, der Anregung des Herrn Chop und meines Vaters folgend, berichte, indem ich ihr als eine neue, aus dem Muschelkalk noch nicht bekannt gewordene Art den Namen Encrinus Beyrichi beilege.