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Über den Löss in Deutschland.

Penck, Albrecht

Kurzfassung

Im Gegensatz zur geologischen Gegenwart charakterisirt sich die Quartärzeit als eine Periode, in welcher bedeutende Gesteinsmassen auf dem Lande abgelagert worden sind. Moränen wurden angehäuft; Flüsse schütteten ihre Thäler mit Geröll auf, der Löss entstand. Neuerdings hat sich ergeben, dass Moränenablagerung und Anhäufung der Flussgerölle gleichzeitig geschahen, und namentlich zeigt sich in Süddeutschland, dass eine jede Zeit der Gletscherentfaltung sich zugleich als eine Periode der Geröllanhäufung seitens der Flüsse charakterisirt. Geröllmassen aber lassen auf anderweitig abgelagerte Lehme schliessen, und der Löss ist vielfach als der Schlamm quartärer Ströme gedeutet. Das Quartärgeröll ist eine Hochfluthmarke der Quartärzeit, über welche hinaus sich die Wasser nur unbedeutend erhoben haben können. Da nun der Löss gemeinhin weit höher ansteigt als das Quartärgeröll, so kann er nicht von eben denselben Fluthen, wie letzteres angehäuft worden sein. Dahingegen lässt die horizontale Verbreitung des Lösses manche Analogien mit der quartärer Flussgerölle erkennen. Es decken sich die Verbreitungsbezirke beider im mittleren Deutschland, wenngleich der Löss gelegentlich über die Grenzen der Flussschotter gleichsam herausspringt. Nähere Einzelheiten hierüber wird der vierte Band der geologischen Beschreibung Bayerns in einem vom Redner bearbeiteten Abschnitte über die bayerische Hochebene bringen. Es wäre vielleicht daraufhin gestattet, den Löss als einen mehrfach umgelagerten, verwehten Flusslehm der Quartärzeit anzusehen, wie es von Rothpletz in seiner Arbeit über das Diluvium von Paris geschah. Es würde unter dieser Voraussetzung jede Vergletscherung ihre Moränen, ihr Geröll und ihren Löss besitzen.