Original paper

Die Serpentine von Erbendorf in der bayerischen Ober-Pfalz.

Schulze, Georg

Kurzfassung

Nachdem Justus Roth den durch geistvolle Abstractionen gewonnenen allgemeinen Satz ausgesprochen hatte, dass nicht bloss der Olivin fähig sei, durch Umwandlung in den an sich thonerdefreien Serpentin überzugehen, sondern vermöge ihrer chemischen Zusammensetzung von vorn herein auch allen thonerdefreien oder wenigstens thonerdearmen Gliedern der Augit- und Hornblendegruppe die Fähigkeit einer directen Serpentinisirung zuerkannt werden müsse, war Bruno Weigand der Erste, welcher in dem Serpentin des vogesischen Rauenthales ein wasserhaltiges Magnesiasilicat kennen lehrte, das sich auf einen Amphibolit als Urgestein zurückführen liess. Denn, seinem mikroskopischen Bestände nach von den bis dahin hauptsächlich einer mikroskopischen Untersuchung unterworfenen Olivinserpentinen wesentlich verschieden, verrieth dasselbe durch noch vorhandene Reste zweifellos seine Abstammung von einem Hornblende-führenden Gesteine, dessen Amphibolmineral thonerdearm genug gewesen sein musste, um bei der Verwitterung neben einem chloritischen Minerale wesentlich ein Product von der chemischen Zusammensetzung des Serpentins liefern zu können. Gleichzeitig war dieses Gestein durch die Art seines geologischen Auftretens besonders aus- gezeichnet, indem sich durch alle möglichen Stadien hindurch ein allmählicher Uebergang desselben in einen schwärzlichen Hornblendefels direct wahrnehmen liess, der seinerseits wieder mit Amphibolitgneiss und, vermittelst weiterer Uebergänge, mit Leptynit-artigem Gneisse in innigster Beziehung stand. Dadurch war die Anschauung gerechtfertigt, der Serpentin, im Amphibolit und im Streichen des Gneisses gelegen, stelle einen umgewandelten Schichtencomplex von Hornblendefels dar.