Original paper

Nordische Glacial-Bildungen bei Seesen und Gandersheim.

Koenen, Adolf

Kurzfassung

Zu meiner grossen Ueberraschung fand ich kürzlich ca. 3 Kilometer südlich von Seesen und 1 Kilometer nördlich von dem Dorfe Kirchberg im Felde oben auf einem Lehmrücken, volle 200 Meter über der Ostsee, einen ganz typischen, braunen Geschiebethon (Blocklehm, Sandmergel, Grundmoräne), den ich 1 Meter tief aufgraben liess, um jeden Irrthum auszuschliessen. Die Geschiebe haben meist nur Haselnuss - bis Wallnuss-Grösse, selten Ei- bis Faust-Grösse, und bestehen vorwiegend aus Feuersteinen und Kieselschiefer resp. Horstein, sowie ferner aus Quarz, Buntsandstein, Quarzit (z. Th. wohl der unteren Kreide), Kulmgrauwacke und endlich aus nordischern Granit und Gneiss. Diese Geschiebe liegen meist vereinzelt in dem Thon, stellenweise aber auch in grösserer Zahl nahe beisammen. Der Geschiebethon liegt anscheinend unter dem Lehm und wird mantelförmig von diesem umhüllt, ohne dass Schotter zwischen sichtbar wäre. Weiter westlich, in den Gemarkungen Ildehausen, Harriehausen, Hachenhausen, Leboldshausen, Schachtenbeck bis nach Gandersheim hin, sowie nördlich in den Gemarkungen Engelade, Bornhausen, Gross- und Klein-Rhüden tritt jedoch unter dem Lehm auch Schotter in grösserer Mächtigkeit auf, stellenweise bis zu 10 Meter mächtig aufgeschlossen. Vielfach zeigt er hier die im norddeutschen Diluvium so gewöhnliche transversale Schichtung und enthält neben Geröllen von einheimischen und Harzgesteinen zahlreiche Feuersteine einzelne, aber sehr verschiedenartige nordische Granit- und Gneiss-Glimmerschiefer- und Hornblendeschiefer-Gerölle. Stellenweise liegt zwischen diesem Schotter und dem Lehm noch ein wenig mächtiger, grober, graubrauner Sand, deutlich parallel-schichtig und daher wohl fluviatilen Ursprunges. Einen gossen Block grobkörnigen, recht frischen, graurothen Granites, fast 2 Meter lang und 1 Meter breit, fand ich auch, oberflächlich von Lehm entblösst, im Felde, ca. 100 Meter südlich von der Stelle, wo der Weg von Harriehausen nach Ellierode die braunschweigische Grenze schneidet. Alle diese. Glacialmassen dürften von Norden her durch das breite Nette-Thal hierher gelangt sein; ich hätte directe Gletscherbildungen jedenfalls auf der Westseite des Harzes, nicht so weit südlich, also bis ca. 510 50' nördl. Br. zu finden erwartet.