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Über durch Temperaturerhöhung am schwefelsauren und chromsauren Kali (K2, SO4 und K2, CrO4) künstlich hervorzurufende Zwillingsbildung.

Baumhauer, H.

Kurzfassung

Beide Salze krystallisiren bekanntlich im rhombischen und sind isomorph; ihr Prismenwinkel beträgt fast genau 120°. Die häufige Combination P.2P8. 8P.8P8 ähnelt sehr der hexagonalen Combination P.8P. Dazu kommt fast stest Zwilling- resp. Drillingsbildung nach 8P oder häufiger nach 8P3; die Flächen beider Prismen stehen fast genau senkrecht auf einander. Die Aragonit-ähnlichen Drillinge nähren äusserlich noch mehr als die einfachen Krystalle dem hexagonalen System. Schleift man eine Platte von schwefelsaurem Kali parallel der Basis, so kann man an derselben im polarisirten Lichte die Zwillingsverwachsung resp. die einzelnen Sectoren deutlich beobachten. Denselben Zweck erreicht man durch kurzes Aetzen der Platte mit Wasser, indem sich die Basis dann mit Streifen (resp. zu Streifen aneinander gereihten Aetzeindrücken) parallel der Brachydiagonale bedeckt, deren verschiedene Richtung auf den verbundenen Theilen diese selbst sofort erkennen lässt. Vor etwa einem Jahre machte Mallard die wichtige Beobachtung, dass sich beim schwefelsauren Kali die Zwillingstheile durch Erhitzen vermehren lassen, indem sich zahlreiche neue Lamellen einstellen, wodurch eine im polarisirten Lichte deutlich hervortretende, äusserst complicirte, Gitter-ähnliche Structur der erhitzten Platte entsteht. Der Vortragende hatte diesen Versuch wiederholt und die erhitzten Platten resp. Fragmente (die Platten zerspringen beim Erhitzen heftig) mit Wasser geätzt; hierbei zeigten sieh auf den neu entstandenen Lamellen die oben erwähnten, verschieden Streifen auf's Schönste und liessen die verwikkelte Zusammensetzung schon im gewöhnlichen Lichte unter dem Mikroskop erkennen und übersehen. Hieraus geht hervor, dass die beim Erhitzen auftauchenden Lamellen wirkliche Zwillingslamellen und nicht etwa nur auf Spannungsverhältnisse zurückzuführen sind. Es hat in der That eine molekulare Umlagerung der Krystallsubstanz stattgefunden. Es drängte sich die Frage auf, ob die erwähnten Lamellen, d. h. Zwillingsbildung sich auch einstelle, wenn man eine vorher als einfach erkannte Platte erhitzt.