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Die Reptilien der norddeutschen unteren Kreide.

Koken, Ernst

Kurzfassung

Während in England und in Amerika unter der Leitung unermüdlicher Forscher Jahr für Jahr neue und merkwürdige Repltilienformen aus den cretaceischen Ablagerungen an's Tageslicht gefördert werden und man schon jetzt, wo das gesammte Material noch nicht gesichtet und verarbeitet ist, über die Reichhaltigkeit einer Fauna staunt, die vor einigen Jahrzehnten noch nicht einmal geahnt wurde, hört man in Deutschland kaum von solchen Funden. Es schien, als ob bei uns in der That die gewaltigen Sauriergeschlechter der Juraformation mit dem Ende derselben erloschen oder aus unseren Meeren ausgewandert seien nach anderen Gegenden, die ihrem Gedeihen vielleicht bessere Bedingungen boten. Die Unwahrscheinlichkeit einer solchen Annahme liegt jedoch auf der Hand. H. Von Meyer sprach auch schon früher, bei der Beschreibung seines Pholidosaurus aus dem Wäldersandstein Schaumburgs, die Vermuthung aus, dass noch manches verwandte Geschlecht dort begraben liege, was jetzt nun durch viele z. Th. noch nicht bearbeitete und veröffentlichte Funde bestätigt worden ist. Was für die Süsswassergebilde gilt, ist in gleicher Weise für ihre marinen Aequivalente, die Hilsbildungen und auch für noch spätere Ablagerungen, wie den Gault, in Anspruch zu nehmen. Die relative Seltenheit von Wirbelthierresten, welche als nicht näher bestimmbare Objecte in den verschiedenen Privatsammlungen unbeachtet blieben, dann auch die noch vor wenigen Jahren so grosse Schwierigkeit in der Bestimmung und Classificirung derselben, welche erst durch die bahnbrechenden Arbeiten von Owen, sowie von Huxley, Hulke, Seeley, Marsh, Cope u. A., sowie durch die Herbeischaffung eines grossen Vergleichungsmaterials z. Th. gehoben ist, waren die Ursache, dass sich bis jetzt die Aufmerksamkeit ihnen wenig zuwandte. Die Reste eines Sauriers aus den Hilsablagerungen des Osterwaldes, welche mit der Henne'schen Sammlung in das palaeontologische Museum nach Berlin kamen, veranlassten Herrn Prof. Dames, mich zuerst auf obige Umstände aufmerksam zu machen und mich zur Bearbeitung der untercretaceischen Reptilien Norddeutschlands, soweit Material zu beschaffen war, anzuregen.