Original paper

Ueber Fulgurite.

Wichmann, Arthur

Kurzfassung

Vor kurzem wurde in dieser Zeitschrift von Gümbel eine Mittheilung über Fulgurite veröffentlicht, in welcher derselbe zu dem Resultat gelangt, dass das Material der sogen. Blitzröhrem aus Quarzglas mit eingestreuten Quarzkörnern bestehe. Ihr spec. Gewicht, sowie ihr Verhalten gegen Kalilauge erwiesen ich diesem Forscher zufolge hiermit in Uebereinstimmung. Gegen diese Resultate lassen sich jedoch einige Bedenken geltend machen. Zunächst unterliegt es wohl keinem Zweifel, dass der elektrische Funke im Stande ist, Quarz zu schmelzen. Wohl aber erhebt sich die Frage, ob der Blitz bei der ausserordentlich Durchdringung des Erdbodens fähig ist, die seinem Einfluss ausgesetzten Sandmassen zu einer vollständigen Schmelzung zu bringen. Den Beobachtungen Gümbel's zufolge wäre diese Frage zu verneinen, denn er fand, das die Fulgurite noch unversehrte Quarzkörner enthalten. Hinsichtlich der Vertheilung von Glas und Quarz ergab ein Versuch von den betreffenden Fulguriten 46 pCt. von Kalilauge längerer Zeit gelöst wurden. Diesem Procentsatz soll das entsprechen, während der Rückstand als unferänderter Quarz angesehen wurde. Leider fehlt eine Kieselsäurebestimmung der untersuchten Vorkommnisse, doch setzen wir beispielsweise den für einen Sand schon recht hohen SiO2-Gehalt von 95 pCt. ein, so ergiebt sich, nach Abzug des unlöslichen Quarzrückstandes, für das Glas 89,14 pCt. SiO2, welches somit gar nicht die Zusammensetzung des Quarzes haben könnte. Vorstehende Erwägungen gaben Veranlassung, Fulgurite von verschiedenen Orten einem erneuten Studium zu unterziehen.