Original paper

Ueber ein neues Quecksilber-Seismometer und die Erdbeben im Jahre 1883 bei Darmstadt.

Lepsius, Richard

Kurzfassung

Von den verschiedenen Seismometern, welche construirt worden sind, um die Richtung und Stärke von Erdbebenwellen zu notiren, hat sich am besten das von dem Astronomen Cacciatore in Palermo angegebene Instrument bewährt. Dasselbe bestand aus einer flachen, kreisrunden Schale von 10 Zoll Durchmesser, welche bis zur Höhe von acht den Rand der Schale durchbohrenden Löchern mit Quecksilber gefüllt wurde; die acht Löcher des Randes standen in gleicher Höhe und in gleichem Abstände von einander und communicirten nach aussen mit acht offenen, sich abwärts biegenden Rinnen, unter welchen sich je ein feststehender Becher zum Auffangen des durch einen Stoss aus der Schale auslaufenden Quecksilbers befand. Dieser einfache Apparat Cacciatore's war aus Buchsbaumholz gefertigt. Ueber die Wirkung dieses Seismometers sagt Friedrich Hoffmann in der citirten Abhandlung 1832, pag. 62: "Mit Hülfe dieses Seismometers fand sich nun in 27 Fällen eine bestimmt ausgedrückte lineare Fortpflanzung der Erdstösse mit Sicherheit angegeben." Beiläufig bemerkt, war in 19 dieser Fälle die Stossrichtung ostwestlich notirt, und bezieht Hoffmann diese Fälle "auf den ostwärts von Palermo gelegenen grossen Heerd aller unterirdischen Bewegungen in der Feueresse des Aetna". Obwohl demnach das Instrument Cacciatore's sich als durchaus zweckmässig erwies, ist es doch, so viel mir bekannt, seit jener Zeit nicht wieder angewandt worden. Für die Erdbeben geringer Stärke, wie sie glücklicherweise bei uns in Deutschland vorherrschen, ist dasselbe auch nicht zu gebrauchen, wie man sich leicht durch Versuche überzeugen kann: die innere Cohäsion des Quecksilbers ist viel zu gross, um bei einem schwachen Stosse Theile der ganzen in der Schale befindlichen Quecksilbermasse durch die Löcher im Rande der Schale ausfliessen zu lassen.