Original paper

Zur Frage der Veränderungen des Meeresspiegels durch den Einfluss des Landes.

Pfaff, Fr.

Kurzfassung

In dem von jedem Geologen gewiss mit Spannung erwarteten und bei seinem Erscheinen freudig begrüssten Werke von Suess: "Das Antlitz der Erde", ist, soviel mir bekannt, zum ersten Male von einem Geologen mit ganz besonderem Nachdrucke auf die von der Configuration des Landes bedingte Störung der regelmässigen ellipsoidischen Gestalt der Meeresfläche hingewiesen worden. Während man früher den Meeresspiegel als eine Fläche ansah, welche dem idealen Rotationsellipsoide, wie es einst der flüssige Erdkörper in Folge des Zusammenwirkens von Gravitation und Centrifugalkraft bildete, auch jetzt noch entpräche, und von der Voraussetzung ausging, dass längs eines jeden Parallelkreises von einer Küste zur anderen der Meeresspiegel gleich weit vom Mittelpunkte der Erde entfernt sei, dem Lande demnach keinen merklichen Einfluss auf die Form des Meeresspiegels zuschrieb, hat man in der jüngsten Zeit von verschiedenen Seiten die Meinung ausgesprochen, dass das falsch sei, dass die Gestalt des Meeresspiegels sehr bedeutend von den Landmassen beeinflusst werde, und dass dieselbe, wie das Land selbst, Erhöhungen und Vertiefungen über und unter diese ideale ellipsoidische Fläche zeigen müsse, welche veränderlich seien. Gesteht man die Richtigkeit dieser neueren Anschauung zu, so ist offenbar, dass alle die Thatsachen in der Geologie, welche unter der Vorausetzung eines in seiner Gestalt unveränderlichen Meeresspiegels aus Beobachtungen der natürlichen Erscheinungen abgeleitet, wurden, einer Revision bedürfen und zweifelhaft werden. Vor Allem trifft dieses die Lehre von den säcularen Hebungen und Senkungen des Landes.