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Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogen in den österreichischen Ländern.

Tietze, Emil

Kurzfassung

Allgemein ist bekannt, dass man auf Grund der im Wiener Becken beobachteten Verhältnisse die über der sogenannten aquitanischen Stufe auftretenden jüngeren Tertiärbildungen in den österreichisch - ungarischen Ländern in drei Hauptabtheilungen sondert, welche man sich dem von Suess gemachten Vorschlage gemäss gewöhnt hat als mediterrane, sarmatische und Congerien - Stufe zu bezeichnen. Ebenso wird allgemein anerkannt, dass, abgerechnet einige theoretisch allerdings bemerkenswerthe Ausnahmen, diese Eintheilung im Wesentlichen den thatsächlichen Verhältnissen entspricht. Die erste der genannten Stufen, welche man auch wohl die marine Neogen - Stufe des Wiener Beckens genannt hat, wurde nun von den Autoren, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten mit dem Studium der österreichischen Tertiärbildungen befasst haben, häufig wieder in zwei Unterabtheilungen getrennt, in die erste oder ältere und in die zweite oder jüngere Mediterranstufe. Diese weitergehende Trennung wurde nun in der Regel in der Weise vorgenommen, dass man die Versteinerungen verschiedener Localitäten sammelte und je nach dem paläontologischen Befunde die eine Localität als der ersten, die andere als der zweiten Mediterranstufe angehörig feststellte. Die Benutzung der stratigraphischen Verhältnisse, welche die directe Aufeinanderfolge der oben genannten drei Hauptstufen in der angegebenen Reihenfolge erwiesen hatte, schien hier für die besagten Unterabtheilungen in der Regel schwieriger oder doch weniger erforderlich zu sein. Wer mit der Geologie unserer Tertiärbildungen nicht in nähere Berührung kam, beruhigte sich auch bezüglich der auf die angegebene Weise gewonnenen Resultate um so leichter, als man die Handhabung des paläontologischen Materials in sehr bewährten Händen wusste. Wir stehen da in der That vor der Autorität so trefflicher und so überaus kenntnissreicher Forscher, dass ich es meinerseits nicht gewagt haben würde, mich mit der Beurtheilung jener Resultate zu beschäftigen, hätte nicht der Zufall, oder besser gesagt meine Verpflichtung als Aufnahmsgeologe, mich näher mit einem Gebiet bekannt gemacht, in welchem ich mich auf die Dauer der Notwendigkeit nicht entziehen konnte, die Voraussetzungen eben derselben Resultate zu prüfen. Dieses Gebiet war Galizien, wo nach den bis vor Kurzem geltenden Annahmen beide Mediterranstufen vorhanden sein sollten.