Original paper

Ueber Fulgurite.

Gümbel

Kurzfassung

Herr A. Wichmann in Utrecht hat soeben in dieser Zeitschrift (1883, pag. 849) einen interessanten Beitrag zur Kenntniss der Fulgurite geliefert und dabei gegen die von mir über Fulgurite aus der libyschen Wüste mitgetheilten Untersuchungsresultate (d. Zeitschr. 1882, pag. 647) einige Bedenken erheben zu müssen geglaubt, die ich nicht unerörtert lassen möchte, damit nicht die durchaus irrige Auffassung oder Auslegung des Herrn Wichmann, weil ohne Erwiderung gelassen, sich in der Literatur fortpflanze und festsetze. Es wird nämlich behauptet, dass nach meinen Beobachtungen die Frage, ob der Blitz bei der schnellen Durchdringung durch den Erdboden fähig sei, die seinem Einfluss ausgesetzten Sandmassen zu einer vollständigen Schmelzung zu bringen, zu verneinen sei, weil die Fulgurite noch ungeschmolzene Quarzkörner enthalten. Das ist denn doch nicht richtig; ich glaube vielmehr für den speciell von mir untersuchten Fall - ich habe ja nicht über Fulguritenbildung im Allgemeinen Folgerungen gezogen - gerade nachgewiesen zu haben, dass der Blitz die unmittelbar berührten Quarzkörner zu einem amorphen Glas geschmolzen hat, und dass die in dieser amorphen Glasmasse eingebetteten, nicht geschmolzenen Quarzkörner dem Schmelzfluss angeklebt, theilweise in denselben eingehüllt sich verhalten, wie ja bei allem schmelzbaren Material grössere Brocken in dem zuerst geschmolzenen Theil noch ungeschmolzen vorkommen, oder wie der Wärmequelle entfernter liegende Stückchen zuletzt oder wenn die Wärmequelle erlischt, gar nicht zum Schmelzen kommen, sondern nur von dem geschmolzenen Theil verkittet erscheinen. Es ist mir ganz unerfindlich, dass Herr Wichmann zu anderen Ergebnissen gekommen wäre!