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Geologisches aus Oberitalien.

Böhm, Georg

Kurzfassung

Das anhaltend schlechte Wetter hat leider während der ersten Wochen meiner Reise jede geologische Beobachtung fast unmöglich gemacht. Am rechten Gehänge der Valle del Paradiso, nicht weit von Grezzana, fand ich eine Schicht mitten in den grauen Kalken mit Lithiotis problematica Gümbel, welche ganz erfüllt ist mit Pernen und einer Scherbenschicht sehr ähnlich sieht. Direct über den Pernen, welche voraussichtlich mit denen von Roverè di Velo gleichaltrig sind, enthalten die grauen Kalke zahlreiche Gastropoden, welche zum Theil neu sind. Ueber den grauen Kalken folgen in normaler Weise die Crinoidenkalke und darüber der obere Jura (Tithon), der sich hier durch sehr gut erhaltene Aramoniten auszeichnet. Am Mt. Pinè bei S. Croce fand ich sowohl im Gehängeschutt als auch hoch oben am Berge die kleinen Hippuriten, welche in allen Sammlungen verbreitet sind. In den Brüchen des Mt. Pinè vermochte ich gut erhaltene Fossilien nicht zu entdecken. Dagegen findet sich am westlichen Thalgehänge, gegenüber dem Mt. Pinè, ein neu eröffneter Bruch, welcher wohl geeignet sein dürfte, das Alter der hiesigen Hippuritenkalke genauer zu fixiren. Derselbe enthält zahllose, gut erhaltene Versteinerungen; Acteonelliden, Nerita sp., Hippuritiden, Arca sp. etc. Anscheinend entspricht diese Fauna der der Gosauformation, doch behalte ich mir eine genaue Feststellung des Alters vor. Ueberlagert werden die Hippuritenkalke direct von der Scaglia, welche hier, wie überall in der Umgegend, ziemlich steril ist.