Original paper

Über ein merkwürdiges Vorkommen von gedrehten Krystallen des Haarkieses der Grube Hilfe Gottes bei Dillenburg

Weiss

Kurzfassung

Die Nadeln des Haarkieses (dessen Nickelgehalt vor dem Löthrohre geprüft wurde) überziehen theils grössere Flächen, theils kommen sie mehr einzeln an den Handstücken vor, auf Spalträumen aufgewachsen. Sie sind meist nicht so haardünn wie an manchen Fundorten, manchmal sogar bis gegen 1 mm dick. Zwischen den gewöhnlichen längsgerieften Nadeln mehr oder weniger zahlreich eingestreut bemerkt man solche, welche durch ihre schraubenförmige Windung frappiren. Sie machen den Eindruck von dünnen, kantigen Messingstäbchen, welche spiralig zusammengedreht wurden und tauartig gewunden erscheinen. Die Windung ist von verschiedener Stärke, bei vielen Nadeln derart, dass die einzelnen Windungen eng aneinander liegen, bei anderen ist sie lockerer, die Spirallinie steiler, bei manchen kaum merklich oder nur an einem Ende der Nadel vorhanden, die im Uebrigen gerade verläuft. Man bemerkt, dass die Drehung erzeugt wird durch Verwachsen parallel neben einander gestellter Individuen, welche in spiraliger Richtung um einander fortwachsen. Nicht selten zweigt sich ein einzelnes Individuum vom ganzen Strang ab und isolirt sich. Die kantigen Säulen, welche die Nadeln bilden und zum Theil sehr glattflächig sind, werden meist unregelmässig durch Bruch begrenzt, zeigen aber manchmal eine glatte, glänzende Endigungsfläche, welche nicht ganz senkrecht zur Axe der Nadeln steht, was vielleicht mit der Art des Wachsthums zusammenhängt; ihre Form ist aber auf eine 6 seitige zu beziehen, dem entsprechend, dass die Krystalle 6 gliedrig wären. Es finden sich nebeneinander sowohl rechts als links gewundene Nadeln; ja es kommt vor, dass aus einem gemeinsamen Stamm sich 2 Nadeln neben einander abzweigen, wovon die eine rechts, die andere links gewunden ist, jede einzelne eine 6 fache Spirale (den 6 Kanten der Saale entsprechend) bildend. Die Erklärung der Erscheinung ist schwer; natürlich ist es keine mechanische Drehung, sondern Wachsthumserscheinung, deren Ursache aber unbekannt ist.