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Über pseudoglaciale Erscheinungen.

Penck, Albrecht

Kurzfassung

So nannte er diejenigen Phänomene, welche dem Ansehen nach von echt glacialen nicht zu unterscheiden, aber anderer Entstehung sind. Er legte Felsschliffe aus Val Carlos in den Pyrenäen vor, welche Gletscherschliffen genau gleich, aber durch Rutschungen von Schutt auf den Thalgehängen entstanden sind. Er zeigte polirte Felsflächen, welche durch fortgesetztes Reiben von Thieren gegen Felsen entstanden sind. Er legte gekritzte Geschiebe, Gletschersteinen gleichend, aus den obermiocänen Conglomeraten Südbaierns vor und setzte auseinander, dass dieselben nicht glacial seien, sondern durch Verschiebungen innerhalb der Ablagerung selbst entstanden sind. Gleicher Entstehung dürften die gekritzten Geschiebe im englischen Rothliegenden sein, sowie auch die von Rothpletz im Pariser Diluvium gefundenen. Ausführlich legte er dann dar, wie manchmal Verwitterungslehme, welche das Residuum verschiedener Komplexe darstellen, ein Blocklehm - ähnliches Aussehen annehmen, wie z.B. die Argile à silex und der Clay with flints. Die im Pariser Diluvium beobachteten Grundmoränen gehören in diese Klasse pseudoglacialer Erscheinungen. Die als geologische Orgeln bekannten Verwitterungsgebilde werden noch immer mit Riesentöpfen, d.h. Strudellöchern verwechselt, und daher kommt es, dass nahezu auf allen Kalken Pseudo-Gletscherspuren gefunden werden, wie z.B. in der Umgegend von Paris. Zum Schluss erwähnte der Redner mehrere Beispiele von Reliefformen des Landes, welche glacialen sehr nahe stehen und besprach einige einschlägige Verwechselungen. Jedes der als charakteristisch geltenden Glacialphänomene, schloss er, hat seinen pseudoglacialen Nachahmer, aber die Gesammtheit derselben wird ausschliesslich durch Gletscherthätigkeit erzeugt. Die Gesammtheit von Felsschliffen, Blocklehmen, gekritzten Geschieben, erratischen Blöcken, von langgedehnten Hügeln und das häufige Auftreten von Seeen charakterisirt das nordische, alpine und pyrenäische Diluvium und verräth dessen glacialen Ursprung. Das Einzelauftreten jedes einzelnen Phänomens genügt aber noch nicht, um daraus ausschliesslich auf glaciale Entstehungsverhältnisse zu schliessen.