Original paper

Über ein Humerusfragment eines Dinosauriers welches im Liegenden des Hauptflötzes im Marienschacht auf der Körssen bei Stadthagen gefunden wurde.

Dames, W.

Kurzfassung

Das Fragment stellt den distalen Theil eines linken Humerus eines Dinosauriers dar und ist vortrefflich erhalten. Die Länge beträgt ca. 210 mm; die obere Bruchfläche ist gerundet dreieckig und zwar derart, dass die Basis des Dreiecks von der hinteren Seite dargestellt wird. Der Entocondylus hat einen lang-elliptischen Umriss, der Ectocondylus ist vorn ganz ähnlich gestaltet, schärft sich aber hinten und aussen im Umriss zu, und von dieser Zuschärfung läuft eine Kante nach oben, welche zugleich die äussere Begrenzung der breiten und tiefen hinteren Grube über den beiden Condylen hergiebt. Dieselben sind ferner an der distalen Fläche durch eine schmale, tiefe Furche getrennt, welche sich vorn verbreitert und am Schaft des Knochens ungefähr 65 mm in die Höhe zieht, dabei sich stets erweiternd und verflachend. - In allen diesen Merkmalen kommt das vorgelegte Humerusfragment zumeist mit dem der Gattung Iguanodon iiberein, wenn auch weder mit Iguanodon Mantelli, noch mit der neuerlich von Dollo aufgestellten zweiten Art, Iguanodon bernissartensis, von welch' letzterer, Dank der Freundlichkeit des Herrn Dollo, Photographieen verglichen werden konnten, genügende Gleichheit der Charaktere vorhanden ist, um mit der einen oder der anderen Art eine Identität annehmen zu lassen. In den Dimensionen steht es Iguanodon Mantelli durchaus nahe, die belgische Art ist bedeutend grösser. Man wird daher das vorgelegte Fragment am besten vorläufig mit Iguanodon sp. bezeichnen, bis weitere Funde mehr Klarheit erreichen lassen. - Es ist dieses Fragment von besonderem Interesse, da es den ersten Skeletrest eines in deutschen Wealden - Bildungen eingebetteten Dinosaurier's repräsentirt.