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Einige Mittheilungen über die gegenwärtige Kenntniss der glacialen und postglacialen Bildungen im silurischen Gebiet von Ehstland, Oesel und Ingermanland.

Schmidt, F.

Kurzfassung

Historisches. Schon im Jahre 1865 habe ich meinen ersten Beitrag zur Kenntniss unserer Glacialbildungen geliefert, nach Studien, die ich im vorhergehenden Sommer 1864 in unserm Gebiet gemacht. An literarischen Hülfsmitteln waren wir damals noch sehr arm. Ausser einigen allgemeineren Werken kannte ich fast nur Kjerulf's ältere Arbeiten, V. Post's wichtige Schrift über das Köping's Ås und einige Artikel von Baer, Helmersen und Graf Keyserling über die Wirkung des Wassers und Eises auf unsere Küsten. Die für uns so wichtigen Arbeiten der schwedischen geologischen Landesuntersuchung waren mir noch fremd und A. Erdmann's Schrift über die schwedischen Quartärbildungen war noch nicht erschienen. Es kommen daher auch in meiner genannten Arbeit, die später vielfach citirt worden ist, mancherlei Anschauungen vor, die ich jetzt nicht mehr vertreten kann, namentlich was die allgemeine Meeresbedeckung unseres Gebiets in der Postglacialzeit betrifft, für die ich damals noch eintrat, und die Bildungsweise der Åsar. die ich mit Riffen in Zusammenhang brachte. Eine Combination von Drift- und Gletschertheorie, die neuerdings von Berendt in Vorschlag gebracht wird, war schon damals von mir versucht worden. Nachdem ich 1866 Gelegenheit gehabt, die Quartärbildungen im arktischen Sibirien, am unteren Jenissei zu studiren, setzte ich im darauf folgenden Jahre meine Untersuchungen in der Heimath fort, wobei ich u.a. die Verbreitung der jetzigen Ostseefauna landeinwärts festzustellen suchte. Bei der Gelegenheit gelang es mir zuerst die eigenthümlichen postglacialen Süsswasserbecken mit Ancylus fluviatilis und Lymnaeus ovatus nachzuweisen, über die ich weiter unten sprechen werde. Ein kurzer Bericht über meine 1867er Untersuchungen ist in Helmersen's Studien über Wanderblöcke u. s. w. (Mém. de l'acad. Sf. Petersbourg Ser. 7, Bd. 14) auf pag. 55-59 mitgetheilt.