Original paper

Ueber die Silurbildungen der Ostalpen mit Bemerkungen über die Devon-, Carbon- und Perm-Schichten dieses Gebietes.

Stache, Guido

Kurzfassung

Auf der grossen geologischen Uebersichtskarte der österreichisch-ungarischen Monarchie fällt gewiss einem jeden Geologen bei specieller Betrachtung der die Alpenkette illustrirenden Blätter eine sehr eigenthümliche Erscheinung sofort in die Augen. Die nächste Umrandung der centralen krystallinischen Hauptmasse, welche die Hauptverbreitung der paläozoischen Schichtenreihe darstellt, zeigt eine unvermittelt scharfe regionale Absonderung der drei Hauptabtheilungen dieser Reihe. Im Norden sehen wir einen langen, dem Silur einverleibten Grauwackenzug; im Osten erblicken wir nur die Farbenzeichen für devonische Bildungen; am ganzen Südrande endlich herrscht die Farbe der Carbonformation ganz allein zwischen den krystallinischen Bildungen und den Kalkalpen. Die Ursache dieser auffallenden, sich gegenseitig ausschliessenden Verbreitung der genannten drei Hauptformationen der paläozoischen Periode liegt ebenso wenig wie das Fehlen der Permformation in der thatsächlichen Entwickelungsgeschichte unseres Alpensystems; dieselbe ist vielmehr in der Entwickelungsgeschichte des Ganges unserer Erkenntnisse zu suchen. Es würde zu weit von dem gesteckten Ziel der Darstellung thatsächlicher Verhältnisse abführen, wollten wir hier untersuchen, wie complicirt der Wechsel in der Vertheilung von Land und Meer sich innerhalb der paläozoischen Zeit gestaltet haben müsste, wäre die auf der Karte zum Ausdruck gebrachte Stufe unserer Erkenntnisse zugleich auch der Abschluss unseres Wissens über die Vertheilung und Gliederung der alten Grauwackenbildungen geblieben. Dass der Fortschritt in der Alpengeologie sich in der ersten Forschungsperiode im Wesentlichen nur im Bereich der mesozoischen Kalkalpen-Gebiete bewegte, hat seine natürlichen Gründe.