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Über den Steinsalzberg Cardona

Stapff, F. M.

Kurzfassung

Cardona ist eine kleine Bergfestung am Weg von Manresa (Catalonien) über Seo de Urgel und Andorra nach Frankreich, welche 1808 vergebens von den Franzosen belagert wurde. Eine neue, gute, 32 km lange Chaussee führt dahin von Manresa, das Cardonerthal aufwärts. Manresa, eine gewerbfleissige Stadt, bekannt auch durch die Cueva del San Mario, liegt an der Barcelona-Saragossa-Bahn, 65 km von Barcelona. Unmittelbar unter der Citadelle von Cardona mündet in das Cardoner Thal ein kilometerlanges, S. 65 W.-N. 65 O. gerichtetes Seitenthälchen, welches der Salzberg von Cardona abschliesst. Derselbe sieht aus wie eine Gletscherzunge, deren durchfurchtes Eis zwischen vielen Schmutzbändern hervorlugt. Diese Schmutzbänder, der thonige Rückstand weggelösten Salzes, schützen die Salzklippen vor dem Angriffe des Regens. Eine 10-20 m mächtige, sehr verschlitzte Decke desselben "Lebergebirges" liegt oben auf. Die freien Salzflächen sind von oben nach unten canellirt, und zwar haben sich die Rieselwässer vorzugsweise in die thonigen Salzlagen eingeschlitzt, während die reineren Salzrippen stehen blieben. Verschieden gefärbte (blau fehlt), dünne und oft gekräuselte Salzlagen wechseln in dichter Folge; dazwischen liegen Gypslagen, und auch Anhydrit kommt vor. Anstehend habe ich ihn nicht gefunden, denn ausgelaugter Thon verhüllt die Grenze zwischen "Salzberg" und Nebengestein. Die Breite der schroffen, zerrissenen, zackigen Salzwand beträgt etwa 150 m, ihre Höhe 60 bis 70 m; doch steigt das Terrain hinter ihr noch an, und die Höhe des ganzen Salzberges wird zu 500 engl. Fuss angegeben. Das ganze Thälchen, worin "las Salinas" liegen, scheint ehemals mit Salz gefüllt gewesen zu sein und durch dessen Weglösung entstanden. Zwar sieht es aus, als ob das Salz einen antiklinalen Schichtenbruch einnähme, indem die Sandsteinschichten beiderseitig vom Thal abfallen. In geringer Entfernung besitzen sie aber isoklinales nordwestliches Einfallen von 30-35°, und das südöstliche Einfallen entlang dem Südrand des Thälchens dürfte Folge localer Umkippung, veranlasst durch Weglösen des Salzes, sein. Unter dieser Voraussetzung bildet das Salz ein concordantes Lager im losen Sandstein.