Original paper

Über eine eigentümliche, theilflächige Ausbildung von Bleiglanzkrystallen.

Weiss

Kurzfassung

Dieselben erscheinen von viergliedrigem (quadratischem) Typus als Combination eines stumpferen und eines schärferen Octaëders gleicher Ordnung mit abgestumpften Seitenecken, wie die Figur zeigt. Die Krystalle sind nicht sehr glatt bis rauh und gestatten daher nur approximative Messungen, die jedoch ausreichend zur Bestimmung der Form sein dürften. Die Flächen des steileren Octaëders wurden durch aufgeklebte dünne Glasblättchen spiegelnd gemacht, die des stumpferen und der Blätterbruch reflectirten ohne dieses Mittel genügend. So fand sich, dass die Flächen o dem Hauptoctaëder (a : a : a), die Flächen p dagegen einer Form (a : a : 2a) angehören, also einem 4 gliedrigen Theilflächner des gewöhnlichsten Pyramidenoctaeders entstammen, von dessen übrigen Flächen keine Spur vorhanden ist. Die Flächen w sind natürlich Würfelflächen, treten aber nur, einer 4 gliedrigen Form entsprechend, an den Seitenecken, nicht an der Endecke auf. In der Figur ist die Basis einer der 3 Blätterbrüche des abgebrochenen Krystalls. Der Seitenkantenwinkel p : p wurde 141° 30' im Mittel gefunden (berechnet = 141° 3'); die Winkel für o fanden sich viel entschiedener denen des regulären Octaëders nahe. Solche Krystalle liegen von 2 Fundorten vor. Der eine ist Diepenlinchen bei Aachen; Stücke von hier wurden mir von Herrn Bergbaubeflissenen Knochenhauer für die Sammlung der Bergakademie verehrt, auch nach Exemplaren der Max Braun'schen Sammlung von Letzterem schon früher gesammelt, jedoch für Pseudomorphosen gehalten. Der andere Fundort ist Grube Silistria bei Hennef a. d. Sieg auf einem Gange von Bleiglanz und Zinkblende, und wurden uns die Stufen von Herrn Bongardt schon 1878 verehrt.