Original paper

Ueber Fisch-Otolithen, insbesondere über diejenigen der norddeutschen Oligocän-Ablagerungen.

Koken, Ernst

Kurzfassung

Einleitung. In den gesammten oligocänen Ablagerungen Norddeutschlands, deren ausserordentlicher Reichthum an Resten von Meeresthieren aller Art durch die Arbeiten von Beyrich, Von Koenen u.a. bekannt geworden ist, finden sich ausser den Otolithen oder Gehörknöchelchen kaum andere Ueberbleibsel von Knochen-Fischen. Vereinzelte Zähne, Grätenstüske, Kiemendeckel - mehr wird man selbst in den grössten Sammlungen Deutschlands kaum antreffen. Die muthmaasslichen Gründe für die häufige Erhaltung gerade der Otolithen werden später erörtert werden; hier sei nur deren allgemeine Verbreitung betont, welche den Gedanken nahe legt, mit ihrer Hülfe eine Uebersicht über die Teleostier-Fauna des Oliogocänmeeres zu erlangen. Soviel indess die Wissenschaft sich mit dem Gehör und den Gehörsteinen der Fische beschäftigt hat, so ist der Versuch, die Otolithen für die systematische Zoologie resp. für die Palaeontologie zu verwerthen, obschon mehrfach angeregt, doch niemals durchgeführt worden. Schon vor längeren Jahren erhoben sich gewichtige Stimmen, welche zur Bearbeitung dieses brachliegenden Feldes aufmunterten, aber die Mehrheit der Naturforscher hielt die Otolithen für zu nebensächliche Körper, als dass man von ihnen Rückschlüsse auf die zoologische Stellung des ganzen Thieres machen könne. Ausserdem erforderte ihre Bearbeitung ein genaues Vorstudium der Otolithen lebender Fische und zwar von möglichst zahlreichen Gattungen und Familien, wozu das Material schwierig zu beschaffen war. In der That bieten nun die Otolithen bessere Anhaltspunkte zur Bestimmung der Fische, als manche andere von Alters her in den Lehrbüchern bevorzugte Reste, wie sich allerdings erst aus der Durchsicht eines grossen Vergleichsmaterials lebender Arten ergeben konnte. Ein solches stellte mir Herr Prof. Dames, der mich auf die Eingangs erwähnten Gesichtspunkte aufmerksam machte und zu der vorliegenden Arbeit anregte, in einer ihm gehörigen Sammlung von Otolithwn lebender Fische, säramtlich aus dem Mittelmeere stammend, zur Verfügung, wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen Dank abstatte.