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Vorläufige Mittheilungen aus dem Mitteldevon Westfalens.

Schulz, Eugen

Kurzfassung

Im Laufe der Monate Mai bis September dieses Sommers hatte ich Gelegenheit während eines Aufenthalts im Sauerlande das Mitteldevon Westfalens zu untersuchen und möchte ich schon jetzt über einige Resultate von allgemeinerem Interesse berichten, zumal da ich durch private Verhältnisse genöthigt bin, die eingehende Bearbeitung der bisherigen Funde, sowie weitere Studien an Ort und Stelle auf einige Zeit hiuauszuschieben. Die erste Erfahrung von durchgreifender Bedeutung war die, dass die charakteristischen Niveaus des Mitteldevons der Eifel, die ich an der Hillesheimer Mulde studirt habe, zumeist in überraschender Aehnlichkeit in Bezug auf die Fauna auch in Westfalen ausgebildet sind und so in häufigen Fällen eine genaue Orientirung in der Altersfolge der Schichten zulassen. Zunächst ergab es sich, dass der Lenneschiefer keineswegs dem unteren Mitteldevon der Eifel, also den Calceola-Bildungen Kayser's äquivalent ist, wie in der Literatur bisher wohl stets angenommen wurde, sondern dass der bei weitem grössere Theil des Lenneschiefers jünger als die Crinoidenschichten der Eifel ist und den Stringocephalenbildungen angehört. Nur ein schmaler, bei Olpe nicht über 11/2 Meilen breiter Streifen des Lenneschiefers, nordwestlich von der Grenze gegen das Unterdevon gehört dem unteren Mitteldevon an; auf den einzigen Fundpunkt von deutlich erkennbaren Versteinerungen, der in diesen Schichten aufzufinden war, wurde ich von Herrn Bergrath Höchst aufmerksam gemacht; dieser Ort liegt eine Viertelstunde unterhalb Olpe an einem Eisenbahneinschnitt im Biggethal und führt neben anderen Brachiopoden besonders häufig Spirifer speciosus, elegans, subcuspidatus und curvatus (grosse Varietät mit hohem Sattel), also die im unteren Mitteldevon üblichen Versteinerungen. Die Crinoidenschichten konnte ich leider bis jetzt nicht nachweisen, da wegen der Seltenheit der Versteinerungen in dem Lenneschiefer südlich von der Attendorn - Elsper Doppelmulde keine Sicherheit über die dortige Schichtenfolge zu erlangen war. Im Norden dieser Mulde gestalten sich die Verhältnisse grüstiger.